Beiträge

Von Rolf Sovik

Eines frühen Morgens vor vielen Jahren fuhren meine Frau und ich in der Dunkelheit zum Gipfel des Cadillac Mountain in Maine. Wir fuhren zu einem Ort, von dem man uns gesagt hatte, dass wir die ersten Sonnenstrahlen an der Ostküste sehen könnten. Nachdem wir das Auto geparkt hatten, gingen wir mit der Taschenlampe zu einer offenen Fläche und ließen uns auf einer Decke nieder, um auf den Sonnenaufgang zu warten. Doch schon bald stellten wir fest, dass das Ereignis nicht so ruhig sein würde, wie wir erwartet hatten. Viele andere Sonnenanbeter umgaben uns, und Lachen und Stimmengewirr erfüllten die Dunkelheit. Auch Tabakrauch hing in der stillen Luft, und da nur wenig Platz zwischen den einzelnen Gruppen war, hörten wir den Gesprächen zu, als wären wir ein Teil von ihnen. Die Stimmen wurden immer lauter, als sich neue Leute zu den bereits Versammelten gesellten. Der Berg brummte und es schien, als würde sich der mystische Moment, den wir erwartet hatten, in eine laute Party verwandeln.

Dann geschah es. Die Sonne erschien. Lichtstrahlen brachen über den Horizont, und die Landschaft unter uns tauchte langsam aus der Dunkelheit auf. Als die Schatten der Nacht verschwanden, wurde es still um uns herum. Die Zigaretten wurden ausgedrückt, das Lachen verschwand und das Drama der Morgendämmerung spielte sich in einem Raum ab, den wir nun mit unseren Augen messen konnten. Im zunehmenden Licht wurde der Berg still, und eine heitere Stille umfing uns.

Mentales Geschnatter zum Schweigen bringen

Unser Verstand ahmt häufig die Menschenmenge auf dem Cadillac Mountain nach. Isoliert, gefangen von unseren Gewohnheiten und Sorgen, warten wir eher geistesabwesend auf das Erscheinen eines höheren geistigen Lichts. In der Zwischenzeit plappert unser Verstand weiter, unsere Gedanken werden von vorübergehenden Emotionen und Wünschen auf den Bildschirm unseres Bewusstseins geschleudert. Weiterlesen

Von Swami Rama

Wie viele tiefe, schöne und kraftvolle Künste und Wissenschaften hat auch Yoga unter der spirituellen Armut der modernen Welt gelitten – es wurde trivialisiert, verwässert oder auf Klischees reduziert. Die tiefe und ewige Essenz des Yoga wurde von cleveren Menschen falsch dargestellt und für den persönlichen Profit verpackt. Manche haben Yoga auf ein beliebiges weiteres Übungsprogramm reduziert. In anderen Zusammenhängen wurde Yoga als Kultreligion dargestellt, die „Anhänger“ anlocken soll. Um das klare und reine Konzept des Yoga ist ein derartiger Nebel der Verwirrung entstanden, dass es jetzt notwendig ist, Yoga neu zu definieren und seinen Sinn und Zweck zu klären.

Yoga definiert sich selbst als Wissenschaft, das heißt, als eine praktische, methodische und systematische Disziplin oder eine Reihe von Techniken, die das hehre Ziel haben, den Menschen zu helfen, sich ihrer wahren Natur bewusst zu werden. Das Ziel, dieses tiefste Potenzial zu erfahren, ist nicht Teil eines religiösen Prozesses. Es ist eine Erfahrungswissenschaft der Selbsterkenntnis. Religionen versuchen zu definieren, was wir glauben sollen, während eine praktische Wissenschaft wie die Meditation auf den konkreten Erfahrungen von Lehrern und Yogis beruht, die diese Techniken eingesetzt haben, um das tiefste Selbst zu erfahren. Yoga steht in keinem Widerspruch zu irgendeiner Religion und kann von allen Menschen praktiziert werden, egal ob sie sich als Agnostiker oder als Angehörige eines bestimmten Glaubens verstehen.

Yoga definiert sich selbst als Wissenschaft.

Im Laufe der Geschichte wurden yogische Techniken sowohl im Osten als auch im Westen praktiziert, daher wäre es ein Fehler, Yoga als „östlichen Import“ zu betrachten. Tatsächlich ist Yoga mit seinen kraftvollen Techniken, die ein Gefühl von innerem Frieden, Harmonie und Klarheit des Geistes schaffen, für die moderne Welt absolut relevant – sowohl im Osten als auch im Westen. Angesichts des zunehmenden Tempos und der Konflikte im modernen Leben mit all dem daraus resultierenden Stress könnte man sagen, dass Yoga zu einem überlebenswichtigen Werkzeug geworden ist, um die Kreativität und Freude in unserem Leben zu steigern. Weiterlesen

Von Rolf Sovik

Als ich ein Kind war, versammelte sich unsere Familie jedes Jahr zur Weihnachtszeit im Haus einer Großtante. Tante Anna, eine Frau mit einem warmen Herzen, liebte es, an den Weihnachtsfeiertagen die Freuden ihrer Küche mit uns zu teilen, doch für uns Kinder war der Höhepunkt des Abends die Angelpartie im Haus. Nachdem der Nachtisch serviert und genug Kaffee verteilt worden war, um den norwegischen Heißhunger zu stillen, stocherte jedes Kind abwechselnd mit einer Angelrute aus Bambus in einer Decke, die in einem Türrahmen hing. An der Angelrute war eine Schnur befestigt und am Ende der Schnur eine Sicherheitsnadel. Ein Kind nach dem anderen hielt die Angelrute, während die Nadel an einem speziell ausgewählten Geschenk befestigt wurde – ein Preis, der erst nach einigem spielerischen Heben und Ziehen an der Schnur zum Vorschein kam.

Das Bemühen um Frieden ist eine Notwendigkeit im Leben.

Wenn es an der Zeit war, sich zum Angeln zu versammeln, liefen die Emotionen oft aus dem Ruder. Alle Kinder rannten, um einen Platz in der Nähe der Tür zu ergattern. Die Kleinen weinten, weil sie aus dem Weg gestoßen wurden, und die älteren Jungen versuchten spielerisch, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen – und verkündeten der aufgeregten Gruppe lautstark ihre Entdeckungen. In diesem Moment schritten die Erwachsenen ein, um Frieden zu stiften und verletzte Gefühle zu besänftigen: Ein Onkel mit einer klangvollen Stimme rief den Raum wieder zur Ordnung; kleine Kinder bekamen einen Platz in der ersten Reihe, und die größeren Kinder wurden nach hinten gestellt. Wir wurden alle daran erinnert, uns ruhig zu verhalten, um die Fische nicht zu erschrecken – ein Ratschlag, der die Aufregung immer wieder beruhigte. Nach einer auffallend lauten Ansage des Namens des ersten Anglers (wegen des schlechten Gehörs hatte der Teich gelegentlich das falsche Geschenk hervorgebracht, was zu einigen heiklen Verhandlungen führte), begann das Angeln.

Shanti Patha

Das Bemühen um Frieden ist eine Notwendigkeit im Leben – nicht nur, um eine lärmende Versammlung zu beruhigen, sondern auch, um uns selbst zu beruhigen, auf einer subtileren Ebene. Ein von Herzen kommender Ruf nach Frieden ist ein mächtiges Mittel, um Ordnung und Sinn wiederherzustellen. Er beruhigt die Aufregung, stärkt unsere innere Entschlossenheit und fördert das Gefühl der Leichtigkeit, das es uns ermöglicht, unsere Handlungen gekonnt auszuführen. Um sinnvoll zu sein, benötigt der Ruf nach Frieden jedoch ein gewisses Maß an innerer Stärke und Autorität. Wenn wir nicht erkennen, wie es sich anfühlt, wenn uns der Frieden entgleitet – und dann wieder angemahnt wird – wird die Bitte um Frieden zu einem leeren Ritual. Weiterlesen

Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

Am 18. März erstrahlt der Vollmond am Himmel und heißt den kommenden Frühling willkommen. Lasst uns gemeinsam von 21 bis 22 Uhr still werden und den folgenden Text kontemplieren:

In den Yoga Sutras steht:

Es gibt einen ganz einfachen Weg in die Freiheit und zur Befreiung von allem, was uns belastet, bedrückt und behindert zu gelangen, und das ist die Pflege der Anwesenheit Gottes in jedem Lebensaugenblick.

Die Anwesenheit Gottes in jedem Lebensaugenblick zu pflegen, gelingt durch die ununterbrochene Wiederholung des Mantras oder eines Gebetes, die das Göttliche der Geistigen Welt repräsentieren. Die Kraft des stillen Gebetes ist unvorstellbar mächtig.

Es tut mir in der Seele weh, zuschauen zu müssen und nur zu können, wie in der Ukraine Kinder, Mütter und Väter, Freunde und Bekannte brutal erschossen werden, hungern, frieren und nicht das Notwendigste zum Leben haben. Weiterlesen

Von Wolfgang Bischoff


Liebe Menschen,

Am 22. August 2021 ist wieder Vollmond. Um 21 Uhr lade ich euch alle ein, still zu werden, zu lauschen und staunend wie ein Kind zu schauen,  wie sich die überwältigend schöne Innenwelt Deines großartigen Wesens sich zu zeigen beginnt. Weiterlesen

Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

am 24. Juli erscheint der Sommervollmond am strahlenden Abendhimmel. Es ist der Verehrungstag der Guru-Kraft, einer Kraft der geistigen Welt, die uns von der Dunkelheit ans Licht von der Unwissenheit zur Weisheit und von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit führt wann immer und wie immer und durch wen immer sie es für richtig hält. Drei Seelen durch die sich diese Kraft besonders stark geäußert hat sind diese: Weiterlesen

Kurzinterview mit Katrin Reich-Ufondu

Wir sprechen mit Katrin Reich-Ufondu, die als Yogalehrerin und Krebsbloggerin aktiv ist.

Katrin, Du bloggst zum Thema Krebs. Wie ist das Thema in Dein Leben gekommen?

Vor mehr als acht Jahren drängte sich der Krebs erstmals in mein Leben und überraschte mich eiskalt. Ich war so überzeugt davon, dass der Knoten in meiner rechten Brust gutartig sein würde, dass ich den Termin zur Befundbesprechung auf den Tag meines Umzugs gelegt hatte. Es wurde leider keine Formalie und so hatte ich 400 km Autobahnfahrt Zeit, mich zu sammeln und meine nächsten Schritte zu planen. Für mich und für meine Tochter, denn ich war im 4. Monat schwanger. Ich wurde operiert, im Anschluss daran begann die Chemotherapie. Zu diesem Zeitpunkt trat Yoga Nidra in Form einer Aufnahme meines jetzigen Lehrers Rod Stryker in mein Leben. Diese Übung wurde mein Anker in den dunkleren Momenten meiner Therapie. Meine Tochter, die wir Zoe, das Leben, nannten, kam gesund zur Welt und auch ich durfte mich geheilt fühlen. Ich begann mein Leben zu ändern, soweit, wie mir das mit zwei Kleinkindern eben möglich war und begann, tiefer in den Yoga einzutauchen, und das Hamsterrad meines vorherigen Lebens hinter mir zu lassen. Ich fühlte mich sicher.

So fiel ich vor drei Jahren wiederum aus allen Wolken, als ich erfuhr, dass mein überwunden geglaubter Brustkrebs die letzten Jahre dazu genutzt hatte, sich in meinen Knochen auszubreiten. Plötzlich war ich Palliativpatientin. Mit 41 Jahren und zwei immer noch ziemlich kleinen Kindern. Dabei fühlte ich mich an sich ziemlich fit, unterrichtete inzwischen fleißig und mit gewissen Ambitionen Yoga.

Wie bist Du mit Deinen Herausforderungen mit Krebs umgegangen und was hat Dir dabei aus der Yoga-Perspektive sonst noch geholfen?

Trotz all der Angst, der Ungewissheit und meiner allgemeinen Fassungslosigkeit spürte ich von Anfang an in mir die tiefe Gewissheit, wieder gesund zu werden. Ich meinte, die gleiche Stimme zu hören, die mir während der Tiefpunkte meiner Ersttherapie Mut zugesprochen hatte. Meine Yoga-Praxis der letzten Jahre half mir, den Ärztemarathon, der auf meine zweite Diagnose folgte, relativ ruhig zu absolvieren. Mir war klar, dass der Yoga eine wichtige Säule meiner Heilung sein würde. Ich war und bin in der glücklichen Lage, mir diese und andere (inzwischen virtuelle) Yoga-Fortbildungen leisten zu können. Für dieses Privileg bin ich sehr dankbar. So flog ich als Neu-Palliativpatientin fünf Wochen und unzählige Arzttermine später auf Empfehlung eines Herzensmenschens an einen ganz besonderen Ort, um meine Praxis zu vertiefen: Das Himalayan Institute in Honesdale, USA. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Ich sog die magische und nährende Energie dieses Ortes auf und verließ das Institut mit einem ganz besonderen Mantra im Gepäck, das mich bis heute begleitet. Es ist mein Anker, wenn die Äffchen im Oberstübchen lauter werden, wenn ich in manchen Situationen kurz davor bin, mich der Angst zu ergeben. Es ist meine Quelle, aus der ich schöpfe, um voller Freude zu leben trotz der Ungewissheit um meine Gesundheit.

Wie unterstützt Dich Deine Yoga-Praxis im Umgang mit Krebs?

Seitdem sind drei Jahre vergangen. Drei Jahre voller Höhen und Tiefen. Drei Jahren, in denen ich mir Stück für Stück mehr Freiheit und Eigenverantwortlichkeit im Umgang mit meiner Krankheit erarbeitet habe. Mit Hilfe des Yogas: Durch meine eigene Praxis, Weiterbildungen, den Austausch mit Gleichgesinnten und das Unterrichten, das ich die ganze Zeit über, wenn auch reduziert, beibehalten habe. In meiner Praxis nehmen Pranayama und Meditation mit stiller Mantra-Rezitation (Japa) mehr Raum ein als der physische Part, da mein Energielevel therapiebedingt schwankt. Ich bin sehr dankbar dafür, persönlich initiiert worden zu sein, dafür, dadurch Zugang zur Kraft und der Magie lebendiger Mantras erhalten zu haben. Überhaupt ist meine Praxis weicher und intuitiver geworden und hat mich gelehrt, dem Vertrauen, der Gnade, Raum zu geben. Dies war und ist ein Prozess, der mich, die personifizierte Ungeduld, hat spüren lassen, wie sich wahrhaft integriertes Wissen anfühlt. Zudem übe ich Yoga Nidra, vor allem in der Himalaya Tradition und Methoden der Selbstreflexion (Vichara), wie sie Rod Stryker lehrt. Vichara hilft mir, meine Herausforderungen im Leben jenseits von Yogamatte und Meditationskissen besser zu verstehen und dabei, authentisch zu wachsen.

Was bedeutet Deine Krebs-Erkrankung persönlich im größeren Kontext?

Ich sehe meine Krankheit als Tapas, als ultimative Aufforderung, wahrhaft authentisch dem Ruf meiner Seele zu folgen. Stück für Stück, ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben, sondern im Vertrauen, ohne Angst davor, Fehler zu machen. Daher habe ich begonnen, mich auf Instagram zu zeigen, um anderen Palliativpatienten Mut zu machen, ihre Krankheit ganzheitlich zu betrachten. Ohne auf Followerzahlen zu schielen. Seit kurzem engagiere ich mich zudem ehrenamtlich für die Rexroth von Fircks Stiftung, die Kuren für an Krebs erkrankte Mütter anbietet, bei denen auch die mitbetroffenen Kinder psychologisch betreut werden. Über kurz oder lang werde ich sicher die beiden Bereiche „Yoga“ und „Krebs“ in einem Projekt verbinden. Aktuell stecke ich im Zertifizerungsprozess für meine ParaYoga Nidra-Ausbildung. Ich hätte da schon die ein oder andere Idee. Aber eins nach dem anderen.

Herzlichen Dank, liebe Katrin, für die persönlichen Einblicke in diesem Interview und für Deinen inspirierenden Einsatz!

 

Zur Person: Katrin Reich-Ufondu ist Yogalehrerin, Mutter und Krebsbloggerin. Sie lebt mit Mann, Kindern und zwei Katzen in der Nähe von Hamburg. Weitere Informationen über ihre Yogatätigkeit findest Du unter www.yogareich.de; als Bloggerin ist Katrin auf Instagram aktiv.

 

Von Swami Rama

Auszug aus seinem Buch „Mein Leben mit den Meistern des Himalayas

Ein Mantra ist eine Silbe, ein Laut, ein Wort oder eine Wortfolge, zu Tage gefördert von den großen Weisen im Zustand tiefer Meditation. Es ist keine Sprache, in der Menschen sprechen. Diese Phoneme, die in einem überbe­wussten Zustand empfangen werden, führen den Sucher immer höher, bis er schließlich die vollkommene Stille erreicht. Je mehr sich das Bewusstsein er­weitert, umso tiefer offenbart das Mantra seine Bedeutung. Es öffnet den Zugang zu einer übergeordneten Bewusstseinsebene. Eine alt-ehrwürdige Tradition auszubeuten, indem man Mantras auf dem Markt verkauft, ist absurd.

Ein Mantra hat genau wie ein Mensch viele Hüllen: grobe, subtile, noch subtilere und die subtilsten. Nehmen wir zum Beispiel die Silbe AUM. Diese drei Buchstaben repräsentieren die drei Zustände des Wachens, Träumens und Schlafens – oder eben die drei Körper des Grobstofflichen, Feinstofflichen und des Subtilsten. Doch der vierte Zustand oder der subtilste Körper des Mantra ist formlos, lautlos und undefinierbar. Wenn ein Schüler den Prozess von Laya Yoga versteht, dann vermag er den formlosen Körper und das Über­bewusstsein des Mantra erkennen. Ein Mantra ist extrem machtvoll und essentiell, wie die kompakte Form eines Gebets. Wenn man es immerzu erinnert, wird es ein Lotse. Weiterlesen

Antworten von Pandit Rajmani Tigunait

 

Frage Agni-Magazin: Das Yoga Sutra unterstreicht Svadhyaya – das Selbststudium – als eine Schlüsselkomponente der spirituellen Praxis. Wie kann Svadhyaya mir helfen, Hindernisse hinsichtlich meines spirituellen Wachstums zu beseitigen?

 

Pandit Rajmani Tigunait : Das Wort Svadhyaya bedeutet „Studium des Selbst durch einen selbst oder durch Nachsinnen über die Schriften“. Praktisch gesprochen bedeutet es, Japa (mentale Wiederholung) der offenbarten Mantras zu praktizieren, die wir von einem Lehrer durch Einweihung erhalten, und über die Anleitung zu kontemplieren, die wir von unserem Lehrer oder von den Lehren in den authentischen Schriften erhalten.

Oft verpflichten wir uns zu einer spirituellen Disziplin, ohne genügend Wissen über uns selbst, unsere Ziele und die Mittel zu haben, mit denen wir versuchen, unsere Ziele zu erreichen. Aus diesem Grund werden wir entmutigt, wenn während unserer Praxis Hindernisse auftauchen. Weil wir nicht genügend Wissen haben, können wir die Hindernisse oft nicht einmal erkennen.

Selbst wenn wir sie einmal erkannt haben, wissen wir nicht, wie wir sie überwinden können, weil wir ihre Ursache nicht kennen. Wir werden frustriert und entmutigt und geben der Praxis, dem Lehrer und uns selbst die Schuld. Indem wir Svadhyaya in unsere tägliche Praxis einbauen, erwerben wir die Fähigkeit, die Hindernisse zu erkennen, bevor sie auftauchen. Weiterlesen

Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

Am Dienstag, den 27. April 2021 erstrahlt der Frühlingsvollmond am sternenklaren Himmel. Lasst uns gemeinsam von 21 bis 22 Uhr still werden und unserer Freunde in Indien und hier in unserem Land gedenken, die schwer an Corona erkrankt sind, im Krankenhaus liegen und mit ihren Lebenskräften kämpfen. Dies betrifft vor allem unsere engsten spirituellen Schwestern und Brüder, die für den Ashram in Rishikesh wie für die Schulen in Odisha verantwortlich sind. In Indien werden zur Zeit 300.000 Menschen am Tag neu infiziert und viele sterben einen schrecklichen, einsamen Tod. Das Virus lebt von der menschlichen Begegnung und verwandelt sich entsprechend der Bedingungen.
 

Was können wir tun?

  • Praktiziere Körperübungen, die die Spannungen aus Deinem Körper entlassen.
  • Praktiziere Nadi Shodana, und andere Pranayama-Übungen, die Dich vitalisieren.
  • Übe jeden Tag am gleichen Ort in der gleichen Haltung Dich zu konzentrieren und innerlich zu sammeln.
  • Bete für die an Corona Erkrankten mit dem Maha Mrityunjaya Mantra (siehe dazu auch meinen letzten Vollmondtext), dem Sieg über den Tod für die Befreiung vom Leiden und Heilung.
  • Kontempliere einen erbauenden Sachverhalt, wie die Isopanishad (auch bekannt als Isha-Upanischad oder Ishavasya-Upanischad), einen anderen inspirierenden Text oder eines der folgenden Zitate:

 

Über den wichtigsten Frieden

Der erste Friede, der wichtigste, ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihre Harmonie mit dem Universum einsehen und wissen, dass im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt und dass diese Mitte tatsächlich überall ist. Sie ist in jedem von uns – dies ist der wirkliche Friede, alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.

Der zweite Friede ist der, welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird.

Und der dritte ist der zwischen Völkern.

Aber vor allem sollt ihr sehen, dass es nie Frieden zwischen Völkern geben kann, wenn nicht der erste Frieden vorhanden ist, der, wie ich schon sagte, innerhalb der Menschenseelen wohnt.

Hehaká Sapa (Black Elk)

 

 

Ideal des Paradieses

Ich glaube, dass über der Erde ein Ideal schwebt und sie durchdringt, ein Ideal des Paradieses, das nicht eine Ausgeburt der Phantasie ist, sondern die letzte Wirklichkeit, in der alle Dinge leben, weben und sind. Ich glaube, dass dieses Ideal des Paradieses im Sonnenlicht und im Grün der Erde sichtbar wird, in der Schönheit des Menschenangesichtes und in der Fülle des menschlichen Lebens, auch in den kleinen Dingen, die scheinbar unbedeutend und unscheinbar sind.
Überall auf dieser Erde ist der Geist dieses Paradieses wach, und seine Stimme ruft uns immerfort. Ohne dass wir es wissen, trifft sie unser inneres Ohr. Sie stimmt die Harfe des Lebens, die mit ihrer Musik unsere Sehnsucht über die Grenzen des Irdischen hinausträgt, nicht nur in Gebeten und Hoffnungen, sondern auch in Tempeln, die Stein gewordene Feuerflammen sind, in Bildern, die verewigte Träume wurden, im Tanz der ästhetischen Meditation im stillen Innen der Bewegung.

Rabindranath Tagore
in „Flüstern der Seele“

 

 

Ich wünsche euch allen eine erbauende, stille Stunde und eine Erfahrung der Verbundenheit mit allen Lebewesen.

In liebevoller Verbundenheit

Wolfgang