Beiträge

Von Swami Rama

Dharma war zu allen Zeiten eine große Kraft, um die Menschheit zu beflügeln. Dharma kann uns heute genauso helfen wie in alten Zeiten, aber nur, wenn wir anfangen, die Wahrheit zu leben und nicht nur an sie zu glauben. Wenn wir uns vom Dharma abwenden und uns von der Wahrheit distanzieren, raubt uns das den Seelenfrieden und führt zu Elend. In der Dharma-Praxis wird uns geraten, den Schleier der Unwissenheit abzulegen und Wahrhaftigkeit in unseren Gedanken, Worten und Handlungen zu praktizieren.

Das Wort Dharma hat mehrere Bedeutungen. Nach Ansicht einiger Gelehrter ist die Ausführung von Handlungen Dharma. Nach Ansicht anderer sind Handlungen, die allein durch Rechtschaffenheit aufrechterhalten werden, Dharma. Gemäß der Bhagavad Gita hat das Karma oder die Handlung Brahman (höchste Wahrheit) als Ursprung. Das bedeutet, dass wir Brahman erlangen können, wenn wir unsere Handlungen richtig ausführen. Jede Handlung kann ein Teil des Dharma werden, solange sie auf die Wahrheit ausgerichtet ist. Dharma bezieht sich auf das, was die Menschheit aufrechterhält, stützt und schließlich zu den erhabenen Höhen weltlicher und spiritueller Herrlichkeit führt. Weiterlesen

Von Pandit Rajmani Tigunait

Einmal hatte ich das Glück, bei Swami Krishnananda zu studieren. Er war ein wandernder Sadhu, aber er verbrachte die Monate Januar und Februar in Allahabad. Alle 12 Jahre zieht ein großes spirituelles Fest, die Kumbha Mela, Millionen von Menschen aus Indien und dem Ausland an. Es wird an den Ufern des Ganges außerhalb der Stadt Allahabad einen Monat lang im Winter gefeiert. In den anderen 11 Jahren versammeln sich hier Scharen von Pilgern, Heiligen und religiösen Führern aus verschiedenen Traditionen, um ein einmonatiges Fest namens Magh Mela zu feiern.

In einem Winter lagerte Swami Krishnananda während der Magh Mela mit einer Gruppe seiner Anhänger am Ufer der Ganga. Ein gesunder junger Mann aus einem der östlichen Bundesstaaten Indiens kam, um diesen Heiligen zu besuchen. Ohne ersichtlichen Grund war dieser junge Mann von dem Gedanken besessen, dass er bald einen tödlichen Unfall erleiden würde. Nachdem er sich sein Problem angehört hatte, wies Swamiji den jungen Mann an, eine Weile bei ihm auf seinem Zeltplatz am Flussufer zu bleiben. Weiterlesen

Von Pandit Rajmani Tigunait

Auszug aus seinem Buch „Vishoka-Meditation – In innerer Freude ruhen

Eine Geschichte, die seit Tausenden von Jahren in Indien immer und immer wieder erzählt wird, gibt uns einen Einblick in die Tragweite von Vishoka-Meditation und in ihre transformierende Kraft. Dies ist die Geschichte von Dhruva, einem jungen Mann, der in einer extrem zerrütteten Familie geboren und aufgewachsen ist. Dennoch wurde Dhruva zu einem legendären Herrscher, dessen Name mit innerer Stabilität, unbezwingbarem Willen, Mut, Klarheit, Begeisterung und dauerhaftem Glück verbunden ist.

Dhruvas Vater war ein König mit zwei Ehefrauen. Dhruva war der Sohn der ersten Frau, die aus einem Königreich mit mäßiger Macht, Reichtum und Einfluss kam. Sie war bescheiden, freundlich und etwas naiv. Doch die zweite Frau, Dhruvas Stiefmutter, war schön, stolz und ehrgeizig. Sie kam aus einer mächtigen königlichen Familie und übte enormen Einfluss auf ihren Mann und seine Höflinge aus.

Nachdem sie ihren Mann unterworfen hatte, wuchs die Macht der zweiten Königin und sie sonnte sich im Glanz, der eine Herr­scherin begleitet. Aber Dhruvas Existenz beschäftigte sie. Er war der erste Sohn der ersten Frau des Königs und war nach dem Gesetz des Landes der rechtmäßige Erbe des Königs. Der Hunger der zweiten Königin nach Macht, Ansehen und Aufmerksamkeit wuchs, bis sie die Anwesenheit von Dhruva und seiner Mutter unerträglich fand. Indem sie skandalöse Gerüchte schuf und diese geschickt verbreitete, hetzte sie den König, seine Höflinge und alle anderen gegen Mutter und Sohn auf und es gelang ihr bald, sie aus dem Palast zu vertreiben. Weiterlesen

Von Wolfgang Bischoff


Liebe Menschen,

am Donnerstag, 24. Juni ist wieder Vollmond. Abends um 21:00 Uhr versammeln sich über tausend Menschen – jeder an seinem Ort – zu einer gemeinsamen stillen Stunde. Erfahre in ihr das große Geschenk deines Atems, für das du nichts zu tun brauchst, das du von einer Kraft geschenkt erhältst die dich so akzeptiert wie du bist, mit all deinen Stärken und Schwächen.

Auf diese Weise lernst du die Mühelosigkeit im Leben kennen und du kannst lernen, das unsichtbare feinstoffliche wahrzunehmen dass diese Welt so wunderschön macht. Die folgende kleine Geschichte kann eine Ermutigung für dich sein dich in deiner Wahrnehmung des meist Unscheinbaren zu schulen.

Vor einiger Zeit hat ein Mann seine fünf Jahre alte Tochter für das vergeuden einer Rolle von kostspieligem Gold-Verpackungspapier bestraft. Geld war knapp und er wurde wütend als das Kind das ganze Goldpapier verbraucht hatte, um eine Schachtel zu verzieren um sie ihm zum Geburtstag zu schenken. Dennoch brachte das kleine Mädchen am folgenden Morgen die Geschenk Schachtel ihrem Vater und sagte: „Das ist für dich Papa!“ Der Vater war verlegen, weil er am Vortag so überreagiert hatte.  Er öffnete die Geschenkschachtel und wurde wieder sehr zornig als er sah dass diese leer war. Wütend sagte er zu ihr: „Weißt du nicht, junge Dame, dass, wenn man jemand ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll!“

Das kleine Mädchen betrachtete ihn mit Tränen in den Augen und sagte: „Papa sie ist nicht leer! Ich hab so viele Bussis hineingegeben bis sie ganz voll war.“ Der Vater war ganz zerknirscht er fiel auf seine Knie und legte seine Arme um sein kleines Mädchen und bat sie, ihm seinen unnötigen Zorn zu verzeihen.

Nur kurze Zeit später starb das kleine Mädchen bei einem Unfall.

Nach dem Tod seines kleinen Mädchens behielt der Vater sein ganzes Leben lang die Goldschachtel neben seinem Bett immer wenn er durch schwierige Probleme entmutigt wurde, öffnete er seine Goldschachtel und stellte sich vor einen Kuss von seinem kleinen Mädchen herauszunehmen und erinnerte sich dabei an die Liebe des Kindes, die sie dort hinein gegeben hatte.

Jeder von uns hat so eine goldene Schachtel die gefüllt ist mit unbedingt der Liebe und Küsschen von unseren Kindern von Familie und von Freunden. Das ist der kostbarster Besitz den man haben kann und jetzt im Frühling, der nun langsam verblüht, zeigt uns die geistige Welt ihre Liebe in einer unvorstellbarem Farben- und Blütenpracht. All das können wir mit dem Herzen sehen lernen.

Ich wünsche euch eine stille segensreiche Stunde in liebevolle Verbundenheit

Wolfgang

 

Von Swami Rama

Bonuskapitel zum Buch
Liebe flüstert – Gedichte und Prosa eines Reisenden durch Zeit und Raum. Mystische Liebeserklärungen an die Göttliche Mutter

 

O kleiner Lebensstrom, zieh fort aus dieser Abgeschiedenheit.
All deinen Wassern entsage ich; fließe frei und geh deines Wegs.
Mit voller Hingabe möge dein Fließen gut sein;
Nach vielen Tagen werden meine Gefährten dich finden.

Einst saß ich auf dem Berg und schaute auf den Ganges. Die mondhelle Nacht ließ ihr Licht auf dem silbernen Sand ver­blassen, und mir kam ein schluchzender Gedanke in den Sinn aus längst vergessener Vergangenheit, der sagte: »Die Freude, die mit ihren Tränen auf dem roten Lotus des Schmerzes still­sitzt, wächst in meinem Herzen. Der sanfte Vogel meines Geistes reiste weit und jenseits der goldenen Winkel von Sonne, Mond und Sternen auf der Suche nach Dir, kehrte aber unerfüllt an seinen Wohnort zurück. Nach einer Weile wurde mir klar, dass die Freude, welche mich dazu zwang, auf der Bühne des Lebenstheaters zu tanzen, alles, was es hat, in den Staub wirft und kein Wort kennt: Schweigen, Schweigen, Schweigen. Der rhythmische Tanz der Vorsehung zwingt mich zu atmen – also atme ich. Seitdem sind Freude und Leid in meinem Leben zu einem einzigen Lied vermengt, das ich niemals singe. Von diesem Augenblick an habe ich schmerzvermengte Freude ohne jedes Maß erlebt. Eines Tages erhellte plötzlich ein Lichtstrahl mein Wesen, und Menschen, die mich kannten, fragten sich, wie sich mein Leben verändert hatte. Weiterlesen

Von Isabelle Butschek

Das mit Yoga und mir ist so etwas wie eine On-Off-Beziehung. Wir haben uns nach der Geburt meines ersten Kindes kennen- und schätzen gelernt. Mein vom Tragen geplagter Rücken verliebte sich gleich in die Bewegungsformen, der gestresste Geist in die End-Entspannung. Wir haben es auch über die erste Schwärmerei hinausgeschafft, doch irgendwann zog der Alltag ein, die Uhrzeit des Kurses passte nicht mehr richtig ins Leben. Aus regelmäßiger Übung wurden sporadische.

Der Kontakt blieb aber immer bestehen – zumal ich gleich mehrere gute Freunde habe, die in einer festen Beziehung mit Yoga leben, die eine Ausbildung zum Lehrer gemacht oder gar ein eigenes Studio übernommen haben. Zum Beispiel meine alte Schulfreundin Nadine, die jedoch in Düsseldorf lebt und von daher als meine eigene Yogalehrerin nicht in Frage kam. Zumindest bisher.

Wie viele andere hat Nadine im Frühjahr-Lockdown auf Onlineunterricht umgestellt. Zudem bot sie sonntags per Zoom eine Stunde für Freunde und Familie an. Das habe ich als großes Geschenk empfunden. Zum einen, weil es im Lockdown eine mehr als willkommene Abwechslung war. Es war eine der wenigen Gelegenheiten, sich zwischen Homeschooling, Kinderbetreuung und Arbeit für eine Stunde aus dem anstrengenden Familienalltag auszuklinken. Oft habe ich im Kinderzimmer Yoga gemacht, während im Wohnzimmer die Horde tobte. Entspannend war es trotzdem. Und es hat gut getan, für sich, aber trotzdem mit anderen zusammen Yoga zu praktizieren. Da ist mitten im Abstand-halten eine neue Gemeinschaft entstanden. Zum anderen aber hat sich wiederum mein Rücken, haben sich Nacken und Schulter für die Übungen bedankt. Das Sportprogramm war zurückgefahren, das Arbeiten am heimischen Esstisch nicht gerade ergonomisch korrekt. Da war das Durchbewegen aller Muskeln, das Dehnen und Kräftigen wichtiger als je zuvor.

Yoga und ich, wir erleben dank Nadine gerade unseren zweiten Frühling. Ich habe in den vergangenen Monaten öfter praktiziert als in den zwei Jahren zuvor. Der Kalender ist leer, weil vieles anderes nicht stattfindet, es gib kein Termingehetze. Dafür Zeit für Yoga. Vor kurzem waren Nacken und Schulter wieder extrem verspannt. Aber mit täglichen Übungen habe ich das relativ schnell in den Griff bekommen. Mal sehen, ob es dieses Mal etwas Ernsteres wird. Ich bin Nadine für’s Wieder-Verkuppeln auf jeden Fall mehr als dankbar!

Zu den Personen: Isabelle Butschek ist Redakteurin der Stuttgarter Zeitung. Auf Facebook findest Du sie hier. Nadine Arbeiter ist Yogalehrerin in Düsseldorf und bietet verschiedene Yogastunden online an. Auf Instagram findest Du sie hier.

Von Michael Nickel

Diese Woche wurde ich gefragt, welche Philosophie für mich den „besten Weg zur Freude“ verkörpert. Ich musste wirklich etwas darüber nachdenken. Es gibt sicher viele Wege zur Freude – doch gibt es unfehlbare Wege? Bei aller yoga-philosophischen Prägung, die ich in den letzten Jahren erfahren habe, ging es dann doch „back to the roots“ und ich kam bei der Bibel an, bei einem Prinzip, das unsere westliche demokratische Gesellschaft in den Grundfesten mitgeprägt hat: Die Philosophie hinter dem Gebot der Nächstenliebe, Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Als Kind dachte ich, dass Nächstenliebe bedeutet, anderen bedingungslos etwas Gutes zu tun. Das mag so gelten, aber letztlich ist es erst der zweite Schritt oder anders gesagt, die Konsequenz der Nächstenliebe. Denn, um jemandem bedingungslos etwas Gutes zu tun, müssen wir erst einmal bereit sein, das innere Bewerten sein zu lassen. Wir müssen jemanden so akzeptieren, wie sie oder er ist, damit wir überhaupt auch nur bereit sind, diesem jemand etwas Gutes zu tun. Dabei vergessen wir oft den zweiten Halbsatz: wie Dich selbst!

Das Ausrufezeichen hinter diesem Halbsatz kann gar nicht fett genug sein. Denn der zweite Halbsatz drückt gleich Zweierlei aus. Erstens: Akzeptiere Dich selbst, so wie Du bist und tu Dir selbst Gutes. Zweitens: Andere zu akzeptieren und ihnen Gutes zu tun, geht nur, wenn wir dieses Prinzip zunächst auf uns selber anwenden. Es ist eine Art Vorbedingung. Wie könnte man erwarten, anderen in Reinheit etwas Gutes tun zu können, wenn man sich im Herzen nicht selbst achtet und liebt?

Interessanterweise finden wir genau dieses Prinzip auch in der Yoga-Philosophie wieder, allerdings in einer Weise, die selbst für viele Yogis im Westen eine unorthodoxe Sichtweise darstellt, denn es geht dabei um den Begriff „Vairagya“ oder „Nicht-Anhaftung“. Der Weise Bengali Baba brachte gegenüber seinem Schüler Swami Rama Folgendes zum Ausdruck:

»Viele Menschen verwechseln Anhaftung mit Liebe. Doch in der Anhaftung werden wir egoistisch, fokussiert auf die eigene Freude – und wir missbrauchen dann die Liebe. Wir werden besitzergreifend und versuchen alle Objekte unserer Sehnsüchte zu erlangen. Anhaftung erzeugt Fesseln, während Liebe Freiheit schenkt. Wenn Yogis von Nicht-Anhaftung sprechen, lehren sie nicht Gleichgültigkeit, sondern sie lehren, wie man andere wahrhaftig und selbstlos lieben kann. Nicht-Anhaftung oder Liebe kann gleichermaßen von denen praktiziert werden, die in der Welt leben, wie auch von denen, die der Welt entsagt haben.«

Aus: Swami Rama – Mein Leben mit den Meistern des Himalayas

Jeder kann also Nicht-Anhaftung praktizieren! Jeder kann lieben! Das Zitat führt uns gleich mehrfach zurück zum Anfang meiner Überlegung: Zur Frage nach „dem besten Weg in die Freude“. Es geht nicht darum, in eine oberflächliche Freude zu gelangen. Genausowenig wie es in der Nächstenliebe oder der Selbstliebe um eine oberflächliche Liebe geht. Um wahrhaftige Liebe oder Nicht-Anhaftung, um in den Worten von Bengali Baba zu bleiben, wie auch unsere tiefgründige Freude zu erfahren, müssen wir nichts „tun“. Beides ist eine Frage des Annehmens, des Geschehenlassens, das sich nur in einer Grundentspannung unseres Wesens entfalten kann, die man wiederum nicht „erzeugen“ kann. Ganz so wie ein Baum, der das Geschenk des Sonnenlichtes und des CO2 annimmt und basierend darauf durch die Photosynthese in Zucker (oder Selbstliebe) und Sauerstoff (oder Nächstenliebe) produziert. Unsere Nächstenliebe und unsere Nicht-Anhaftung manifestieren sich dementsprechend als Geschenk aus dem entspannten Gleichmut oder einer entsprechenden Gelassenheit heraus – und dieser ist die Folge oder das Geschenk unseres Übens von Yoga im Sinne des Yoga Sutra.

Oder wie Pathabi Jois, der Gründer des Ashtanga Yoga-Stils, es ausdrückte: „Übe – und alles wird kommen.“ Jeder Tag gibt uns die Gelegenheit dazu. Und zugleich ist das Üben ein positiver Akt der Selbstliebe. Hört sich das nicht nach einer positiven Feedback-Schleife an? – Um so besser, denn den Ausdruck negativer mentaler Teufelskreise finden wir in unseren herausfordernden Zeiten ja eh schon oft genug. Zeit also, dem etwas entgegenzusetzen: Selbstliebe, Nächstenliebe, Nicht-Anhaftung – und üben, üben, üben!

 


Von Swami Rama

Sobald wir lernen, die Musik der Natur zu hören und deren Schönheit zu schätzen,
bewegt sich unsere Seele im Einklang mit der gesamten Umgebung. Weiterlesen

Von Rod Stryker

Wenn ich das, was ich aus den Lehren des tantrischen Yoga gelernt habe, destilliere, sehe ich drei Hauptthemen. Das erste ist die Furchtlosigkeit. Swami Rama sprach davon, dass wir an einen Punkt in unserem Leben kommen, an dem wir ohne Angst leben. Und zu diesem Zweck denke ich, dass die tantrische Tradition eine unglaublich reiche Ressource bietet. Weiterlesen

Von Swami Rama

Lieben heißt, die göttliche Essenz in einer anderen Person zu würdigen und uns an ihr zu erfreuen.