Die grenzenlose Freude der Selbsttransformation im Yoga

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Antworten von Pandit Rajmani Tigunait

Frage Agni-Magazin: Wie hängt die Selbsttransformation mit der Yoga-Praxis zusammen? Wann kommt die Praxis des Yoga zu einem Ende?

Pandit Rajmani Tigunait sagt dazu: Selbsttransformation ist das Ziel von Yoga. Wenn unsere Praxis nicht zu einer qualitativen Veränderung in uns führt, ist es keine Yoga-Praxis. Die Selbstveränderung ist das Ziel, und die Yoga-Praxis ist das Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Yoga ist nicht einfach nur eine Reihe von Übungen, Atemtechniken oder verschiedenen Konzentrationsmethoden – Yoga ist eine Mischung aus Philosophie und Praktiken, die uns unsere tiefste Natur bewusst machen sollen. Um dieses Bewusstsein zu erlangen, müssen wir uns auf der Ebene von Körper, Atem und Geist verändern.

Yoga bedeutet „Vereinigung“. Die Yoga-Techniken sind darauf ausgerichtet, uns mit unserer höchsten Natur zu vereinen. Auf diesem Weg beseitigt Yoga die Mauern zwischen den verschiedenen Aspekten unserer Persönlichkeit und erweckt unsere Fähigkeit zu innerem Frieden, Harmonie und Klarheit des Geistes. Indem wir ein harmonisches Gleichgewicht im Inneren und Äußeren herstellen, finden wir zu einer Einheit mit den tiefsten Aspekten unseres Wesens. Doch zuerst müssen wir uns mit unseren Familien, unseren unmittelbaren Verwandten, unseren Freunden, Nachbarn und Kollegen in Einklang bringen. Ohne die Fähigkeit, ein harmonisches Gleichgewicht in unserer unmittelbaren äußeren Welt herzustellen, werden wir nicht in der Lage sein, ein harmonisches Gleichgewicht in unserer inneren Welt zu schaffen.

Selbsttransformation ist ein nie endender Prozess, also ist auch die Praxis des Yoga ein nie endender Prozess. Das bedeutet aber nicht, dass die Yoga-Paxis immer gleich bleibt. Während man wächst und sich verwandelt, verändert sich die Art der Praxis und wird immer feiner. Wenn wir zum Beispiel einen Großteil unserer Energie und Aufmerksamkeit darauf verwenden, mit verschiedenen körperlichen Beschwerden umzugehen, besteht der unmittelbare Zweck der Yoga-Praxis darin, uns dabei zu helfen, körperliche Beschwerden zu überwinden. Auf dieser Ebene konzentrieren wir uns auf die richtige Art zu essen, zu schlafen und zu trainieren. Wir lernen, wie man ein gesundes Atemmuster entwickelt und wie man Entspannungstechniken anwendet. In dem Maße, in dem du wir unsere Gewohnheiten ändern, verbessert sich unsere Gesundheit und körperliche Beschwerden sind nicht mehr das dringendste Bedürfnis.

Die Selbsttransformation ist ein nie endender Prozess.

An diesem Punkt verlagert sich der Fokus auf den Geist. Doch auch hier gibt es verschiedene Ebenen, die es anzugehen gilt. Die ersten Ebenen sind einfache, alltägliche Sorgen: wie wir unser Familienleben meistern, wie wir mit unseren Arbeitskollegen umgehen und wie wir in unseren weltlichen Unternehmungen erfolgreich sein können, ohne Stress anzuhäufen. Yoga bietet eine Vielzahl von Techniken, die man anwenden kann, um in der Welt erfolgreich zu sein und gleichzeitig einen Zustand innerer Gelassenheit zu bewahren. Auf den nächsten Ebenen geht es darum, den Geist von negativen Emotionen und den Ablenkungen zu befreien, die durch Begierden, Besessenheit und ungesunde Wünsche entstehen.

 

Dann kommt eine weitere Ebene des Yoga-Studiums und der Yoga-Praxis. Das Leben scheint in ruhigen Bahnen zu verlaufen, doch tief in unserem Inneren tauchen immer mehr subtile Probleme auf. Wir sind gesund, haben keine mentalen oder emotionalen Probleme, unser Familienleben ist harmonisch und die Beziehungen zu unseren Freunden und Nachbarn sind angenehm. Alles läuft gut, doch man beginnt sich zu fragen: „Wer bin ich? Warum bin ich hier? Woher komme ich? Was ist der Sinn des Lebens? Was wird mit mir geschehen, wenn ich sterbe?“ Während wir nach Antworten auf diese Fragen suchen, bewegt sich unsere Yoga-Praxis auf einer ganz anderen Ebene.

Irgendwann wird klar, dass es das Ziel des Lebens ist, sich selbst immer besser zu verstehen. Wir erkennen auch, dass Yoga endlos ist und dass das, was du damit erreichst, ebenfalls endlos ist. Unser Potenzial zur Selbstveränderung ist unendlich. Je tiefer unser Verständnis wird, desto mehr erkennen wir, dass es noch mehr über uns selbst und unsere letztendliche Natur zu wissen gibt. Wir erkennen, dass auch unsere Beziehung zum Unendlichen unendlich ist. Die Freude, die von diesem Wissen ausgeht, ist ebenfalls unendlich. Auf diese Weise wird der Prozess der Selbsttransformation, der niemals endet, zu einer Quelle unendlicher, grenzenloser Freude.

Lavendelfeld, Duft

 

Dieser Artikel erschien im Original auf HI Online des Himalayan Institute, USA.

Deutsche Übersetzung von Michael Nickel und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Himalayan Institute.

 

Pandit Rajmani Tigunait
Pandit Rajmani Tigunait

Pandit Tigunait, der spirituelle Leiter des Himalayan Institutes (USA), ist der Nachfolger von Swami Rama aus dem Himalaya. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert lehrt und unterrichtet er weltweit und ist Autor von mehr als 15 Büchern, darunter seine kürzlich erschienenen "The Secret of the Yoga Sutra" ("Das Geheimnis des Yoga Sutra" im Frühjahr 2019 auf deutsch bei Angi Verlag) "The Practice of the Yoga Sutra" und seine Autobiographie "Touched by Fire: The Ongoing Journey of a Spiritual Seeker". Pandit Tigunait hat zwei Doktortitel: einen in Sanskrit von der University of Allahabad in Indien und einen in Oriental Studies von der University of Pennsylvania in USA. Die Familientradition gab Pandit Tigunait Zugang zu einer großen Bandbreite spiritueller Weisheit, die sowohl in den schriftlichen als auch in den mündlichen Traditionen bewahrt wurde. Bevor er seinen Meister traf, studierte Pandit Tigunait Sanskrit, die Sprache der alten Schriften Indiens, sowie die Sprachen der buddhistischen, Jaina und zoroastrischen Traditionen. 1976 ordinierte Swami Rama Pandit Tigunait in die 5.000 Jahre alte Linie der Himalaya-Meister.

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