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Pandit Rajmani Tigunait im Interview über Pranayama in den Yoga Sutras

Einleitung und Interviewfragen von Michael Nickel

Öffnet man Yoga-Sutra-Übersetzungen und -Kommentare der letzten Jahre, erkennt man recht schnell, dass es im Wesentlichen zwei Ansätze gibt, um sich mit Patanjali auseinanderzusetzen. Der eine akademisch, analysiert sowohl die Tiefe wie auch Nuancen, doch bleibt dabei oft theoretisch und trocken, der andere eher traditionell, spricht auf den ersten Blick an, bleibt jedoch allzu oft oberflächlich. Es erscheint beinahe unmöglich, eine Brücke zwischen diesen beiden Ansätzen zu schlagen. Pandit Rajmani Tigunait, dem spirituellen Kopf des Himalayan Institutes USA, gelingt jedoch genau dies in seinen Büchern und Vorträgen. Er bringt alles Nötige dafür mit: Spross einer indischen Gelehrten-Familie, zwei Doktortitel in Sanskrit, eine formale Ausbildung als Schriftgelehrter und Priester (Pandit), das Studium bei unzähligen indischen Meistern und Praktikern von Yoga und Tantra. Heute ist er einer der wenigen authentischen Vertreter der tantrischen Sri-Vidya-Tradition im Westen. Sowohl als Praktizierender wie auch als Philosoph fühlt er sich der Vermittlung der Weisheit der Meister des Himalaya verpflichtet. Es verwundert daher nicht, dass etliche bekannte US-Yogalehrer zu seinen Schülern zählen, darunter Rod Stryker, Gary Kraftsow, Tracee Stanley und Kathryn Templeton. Wir sprachen mit Pandit Rajmani Tigunait, über Patanjalis Sicht auf Pranayama und erhielten einige unerwartete und erhellende Einsichten.

Agni-Magazin: Panditji, immer wieder hören wir, Atemübungen ohne Atem-Anhalten sei kein “echtes Pranayama”. Was hat es damit auf sich?

Pandit Rajmani Tigunait: Laut Yoga Sutra gibt es zwei Zweige des Pranayama: einer ist darauf ausgelegt, den riesigen Pool intelligenter Energie – Kundalini Shakti – zu entdecken. Diese Techniken sind sehr kraftvoll, einschließlich Atemstopps und sollten nur nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen durchgeführt werden. Die Übungen des zweiten Zweiges sind nicht besonders kraftvoll, sondern im Gegenteil sehr subtil. Sie helfen, Prana, unsere subtile Lebensenergie, in verschiedenen Zentren unseres Körpers zu entdecken, in denen es als heilende Kraft unterschiedlicher Konzentration liegt.

Die Hatha Yoga Pradipika spricht nur über den ersten Zweig, aber die Yoga Sutras gehen auf beide ein. Die Leute neigen dazu, das zu vergessen.

 

Was ist der Kontext des zweiten Zweiges von Pranayama?

Wir benötigen Zugang zu Prana, um unsere wichtigste Lebensaufgabe zu erfüllen.  Die konzentriertesten Prana-Felder befinden sich im Nabel- und im Herzzentrum, sowie zwischen den Augenbrauen bis zur Kopfkrone. Indem wir Prana dort erwecken und an bestimmte Stellen in unserem Körper kanalisieren, können wir heilen und verjüngen.

Patanjali betont, den Körper zu einem guten Behältnis für den Geist zu machen. Dann kann er seine wichtigste Arbeit tun: dir dein Selbst vorzustellen. Der Verstand kann uns an den Ort führen, der absolut frei von allem Leid und Sorgen ist. Er kann uns die Freude erleben lassen, die selbst von subtilsten Spuren des Schmerzes und der Trauer völlig frei ist. Das ist das Ziel der Yoga Sutras. Alles andere steht im Zusammenhang mit dieser Erfahrung, auf alles übrige legt Patanjali nicht viel Nachdruck.

 

Wenn das Ziel so subtil ist, warum geht Patanjali auf kraftvollen Pranayamas ein?

Um der gesamten Bandbreite der Yoga-Tradition gerecht zu werden, beschreibt er auch die Praktiken, um Kundalini Shakti zu erwecken. Dieser Weg führt zu Siddhis, den eminenten Kräften, die Yogis nutzen, um außergewöhnliche Leistungen zu vollbringen.

Patanjali betont jedoch, dass nichts größer sein kann, als friedlich, glücklich und in der eigenen essentiellen Natur ruhend zu sein. Dies ist der Sinn des Lebens. Ihn zu finden ist die größte Errungenschaft, die größte aller Siddhis. Umgekehrt gilt: Sterben, ohne den Sinn des Lebens zu kennen und unser freudvolles Selbst zu erfahren, ist der größte Verlust.

Deshalb liegt der Schwerpunkt Patanjalis auf den meditativen Techniken, die uns zu uns selbst führen – damit wir in jeder Lebenslage glücklich, gesund und friedvoll sind.

 


Fortsetzung im zweiten Teil des Interviews: darin erläutert uns Panditji das bevorzugte Pranayama von Patanjali und weshalb der Begriff Kumbhaka nicht mit dem physischen Atemverhalt gleichzusetzen ist.


Dieses Interview erschien zuerst in im Yoga Aktuell 110 (2018). Der Yoga Sutra-Kommentar, auf den sich das Interview bezieht, “Das Geheimnis der Yoga Sutras – Samadhi Pada” ist im Frühjahr 2019 im Agni Verlag auf deutsch erschienen und ist über den Agni Verlag Webshop, über unseren Amazon-Verlagsshop und natürlich im lokalen Buchhandel erhältlich. Das Buch wird inzwischen in vielen Aus- und Weiterbildungen für Yoga-Lehrer eingesetzt und wenn Du ein Interesse an authentischer Yoga-Philosophie hast, ist dieses Buch eine tiefe Bereicherung und Inspiration für den Sucher in Dir. Der Zweite Teil “Die Praxis des Yoga Sutra – Sadhana Pada” wird 2021 im Agni Verlag erscheinen.

Das Interview führte Michael Nickel. Fotos ebenfalls von Michael Nickel.

 

Pandit Rajmani Tigunait
Pandit Rajmani Tigunait

Pandit Tigunait, der spirituelle Leiter des Himalayan Institutes (USA), ist der Nachfolger von Swami Rama aus dem Himalaya. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert lehrt und unterrichtet er weltweit und ist Autor von mehr als 15 Büchern, darunter seine kürzlich erschienenen "The Secret of the Yoga Sutra" ("Das Geheimnis des Yoga Sutra" im Frühjahr 2019 auf deutsch bei Angi Verlag) "The Practice of the Yoga Sutra" und seine Autobiographie "Touched by Fire: The Ongoing Journey of a Spiritual Seeker". Pandit Tigunait hat zwei Doktortitel: einen in Sanskrit von der University of Allahabad in Indien und einen in Oriental Studies von der University of Pennsylvania in USA. Die Familientradition gab Pandit Tigunait Zugang zu einer großen Bandbreite spiritueller Weisheit, die sowohl in den schriftlichen als auch in den mündlichen Traditionen bewahrt wurde. Bevor er seinen Meister traf, studierte Pandit Tigunait Sanskrit, die Sprache der alten Schriften Indiens, sowie die Sprachen der buddhistischen, Jaina und zoroastrischen Traditionen. 1976 ordinierte Swami Rama Pandit Tigunait in die 5.000 Jahre alte Linie der Himalaya-Meister.

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