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Von Swami Rama

Buchauszug aus seinem Buch
Die Wissenschaft vom Atem – Eine praktische Einführung in Atmung, Atemachtsamkeit und Pranayama

Die Atmung ist die wichtigste Funktion des Körpers. Doch die meisten Menschen sind sich der einfachen Tatsache nicht bewusst, dass der Atem nicht gleichmäßig durch die beiden Nasenlöcher fließt. Manchmal ist ein Nasenloch aktiver als das andere, und manchmal kann es weniger aktiv werden als das andere. Denn auf jeder Seite des Septums, welches die beiden Nasenlöcher trennt, gibt es Strukturen, die als Nasenmuscheln bezeichnet werden und den Weg des Luftstroms innerhalb der inneren Nase regeln. Diese Nasenmuscheln sind von einer Schleimhaut bedeckt, die aus Schwell­­körpern besteht. Die Schwellung der Nasenmuscheln ver­ändert die innere Konfiguration der Atemwege und kann so den Luftstrom einschränken oder sogar blockieren. Dies erklärt den ungleichen Atemfluss durch die Nasenlöcher.

Der Ausgleich des Atemflusses beruhigt den Geist, und in Zu­stän­den tiefer Meditation ist dieser gleichmäßige Fluss offen­sicht­lich.

Eines der Ziele der yogischen Atemtechniken ist es, den Luftstrom in den Nasenflügeln auszugleichen. Dies ist eine Voraussetzung für die Deaktivierung der Nadis Ida und Pingala und die Öffnung des blockierten Sushumna Nadi. In Kürze werden wir eine Atemtechnik namens Nadi Shodhana oder die Reinigung der Nadis betrachten, deren Praxis zu einem Ausgleich des Atems in den rechten und lin­ken Nasenlöchern und dann zur Öffnung des Sushumna Nadi führt. Der Ausgleich des Atemflusses beruhigt den Geist, und in Zu­stän­den tiefer Meditation ist dieser gleichmäßige Fluss offen­sicht­lich.

Jala Neti (Wasserreinigung)

Ein erster Schritt zum Ausgleich des Atemflusses ist die Reinigung der Nasenlöcher. Zu diesem Zweck beschreiben Yoga-Handbücher eine Technik namens Jala Neti (Reinigung mit Wasser). Lauwarmes Wasser, in dem etwas Salz gelöst ist, wird in ein Nasenloch gegossen, während der Kopf geneigt ist, sodass die Kochsalzlösung durch das andere Nasenloch austreten kann. Dazu kann eine Tasse verwendet werden, aber es ist viel bequemer, ein Kännchen mit schmalem Aus­lauf zu verwenden. Dieses lauwarme, salzhaltige Wasser löst und wäscht nicht nur angesammelten Schleim und Schmutz ab, sondern entzieht auch durch Osmose überschüssiges Wasser aus geschwol­lenen Strukturen der Nasenmuscheln. Es erleichtert auch die Drai­nage der Nebenhöhlen.

Wenn das Wasser zuerst in das linke Nasenloch gegossen wird und durch das rechte Nasenloch austritt, wird anschließend die Durch­flussrichtung umgekehrt, indem das Salzwasser in das rechte Nasenloch gegossen wird und durch das linke auslaufen kann. Dadurch wird eine gründliche Reinigung der Luftkanäle erreicht. Es wird empfohlen, diese Technik von einem qualifizierten Lehrer per­sönlich zu erlernen, bevor Sie sie selbst anwenden. Die tägliche Praxis verhindert eine Verstopfung der Nebenhöhlen und macht Sie weniger anfällig für Erkältungen und andere Atemwegsinfektionen.

Nadi Shodhana (Nasenflügel-Wechselatmung)

Eine weitere ausgezeichnete Atemübung heißt Nadi Shodhana, was wörtlich »Kanalreinigung« bedeutet. Die Übung wird wie folgt durchgeführt:

  1. Sitzen Sie an einem ruhigen, friedlichen, luftigen Ort in einer einfachen und stabilen Haltung mit aufge­rich­tetem Kopf, Hals und Rumpf und in einer geraden Linie. Der Körper sollte ruhig sein.
  2. Bringen Sie die rechte Hand zur Nase. Zeige- und Mittelfinger sollten so gefaltet sein, dass der rechte Dau­men zum Schließen des rechten Nasenlochs und der Ringfinger zum Schließen des linken Nasenlochs verwendet werden kann (Vishnu Mudra).
  3. Wenn das rechte Nasenloch geschlossen ist, atmen Sie vollständig durch das linke Nasenloch aus. Die Aus­at­mung sollte langsam, kontrolliert und frei von An­strengung und Ruckeln sein.
  4. Schließen Sie am Ende der Ausatmung das linke Nasenloch mit dem Ringfinger, öffnen Sie das rechte Nasenloch und atmen Sie langsam und vollständig ein. Die Einatmung sollte ebenfalls langsam, geschmeidig, kontrolliert und von der gleichen Dauer wie die Aus­atmung sein.
  5. Wiederholen Sie diesen Ausatemzyklus durch das linke Nasenloch, gefolgt von der Einatmung durch das rechte Nasenloch noch zwei weitere Male.
  6. Am Ende der dritten Einatmung durch das rechte Nasenloch atmen Sie vollständig durch das gleiche Nasenloch aus, wobei Sie das linke Nasenloch mit dem Ringfinger geschlossen halten.
  7. Am Ende dieser Ausatmung schließen Sie das rechte Nasenloch und atmen durch das linke Nasenloch ein. Wiederholen Sie diesen Ausatemzyklus durch das rechte Nasenloch, gefolgt von der Einatmung durch das linke Nasenloch noch zwei weitere Male. Damit ist die Übung abgeschlossen.

Zusammenfassend besteht die Übung aus drei Zyklen der Aus­atmung durch das linke Nasenloch und der Einatmung durch das rechte Nasenloch, gefolgt von drei Zyklen der Ausatmung durch das rechte Nasenloch und der Einatmung durch das linke Nasenloch.

Am Abend beginnen Sie die Übung mit drei Zyklen der Aus­at­mung durch das rechte Nasenloch und der Einatmung durch das linke Nasenloch, gefolgt von drei Zyklen der Ausatmung durch das linke Nasenloch und der Einatmung durch das rechte Nasenloch. In allen Phasen dieser Übung sollte das Ausatmen und Einatmen von gleicher Dauer sein, ohne eine Pause zwischen Ausatmen und Ein­atmen. Die Atmung sollte über das Zwerchfell, langsam und kontrolliert erfolgen, ohne ein Gefühl der Anstrengung. Mit fort­schreitender Praxis sollten Sie versuchen, die Dauer der Ein- und Ausatmung schrittweise zu verlängern.

In verschiedenen Yoga-Texten gibt es leichte Abweichungen von dieser Grundtechnik. Man sollte häufige Änderungen der Technik vermeiden, denn nur mit regelmäßiger Übung der gleichen Technik kann man die Vorteile von Nadi Shodhana voll ausschöpfen. Darüber hinaus wird in einigen Texten empfohlen, den Atem zwischen Ein- und Ausatmen beizubehalten. Dies ist eine fortgeschrittene Form der Übung und sollte nur unter der Anleitung eines kompetenten Lehrers durchgeführt werden. Andernfalls kann man sich selbst irreparabel schädigen. Unter ordnungsgemäßer Anleitung kann das Zurückhalten des Atems praktiziert werden, wobei die Dauer des Zurückhaltens allmählich verlängert wird, solange sie den Rhythmus, die Gleichmäßigkeit und die Gleichheit der Ein- und Ausatmung in keiner Weise beeinträchtigt. Das empfohlene Verhältnis zwischen den Zeiten des Einatmens, des Zurückhaltens und der Ausatmung beträgt 1:4:2. Nachdem man das Zurückhalten der Atmung nach dem Einatmen gemeistert hat, versucht man, die Atmung nach dem Ausatmen zurückzuhalten, indem man die Zeit, die der Atem angehalten wird, allmählich verlängert.

Pranayama ist eine hoch entwickelte und komplexe Wissenschaft, und die fortgeschrittenen Techniken erfordern eine fachkundige Anleitung. Sie sollten nicht nur auf der Grundlage von Anweisungen in Büchern durchgeführt werden. Wenn man nicht die Voraus­setzungen für solche fortgeschrittenen Techniken hat, wird mehr Schaden als Nutzen entstehen, denn der Suchende wird die Energien des Pranas in einem Maße geweckt haben, das außerhalb seiner Fähig­keit zur Eindämmung und Kontrolle liegt.

Die oben beschriebene Grundform von Nadi Shodhana ohne Atemverhalt und einige andere Arten von Pranayama können basierend auf den hier gegebenen Anweisungen sicher praktiziert werden. Aber um es noch einmal zu wiederholen: Das Zurückhalten des Atems erfordert die Zustimmung und Anleitung eines Lehrers, der sich gut mit Pranayama auskennt.

 

Das Buch von Swami Rama „Die Wissenschaft vom Atem – Eine praktische Einführung in Atmung, Atemachtsamkeit und Pranayama“ erschien 2019 als deutsche Neuübersetzung als Softcover im Agni Verlag. Du erhältst das Buch im Online-Shop des Agni Verlags, über unseren Amazon Verlagsshop oder im gutsortierten örtlichen Buchhandel. Die PDF Flipbook-Vorschau zu „Die Wissenschaft vom Atem“ findest Du auf der Buchseite im Agni Verlag Webshop.

Swami Rama
Swami Rama

Swami Rama (1925-1996) ist einer der großen Weisen, Lehrer, Autoren und Humanisten des 20. Jahrhunderts, sowie der Gründer des Himalayan Institutes (USA) und des Himalayan Institute Hospital Trusts (Indien). Geboren in Nordindien, wurde er von frühester Kindheit an von Bengali Baba, einem Meister aus dem Himalaya, aufgezogen. Unter der Leitung seines Meisters reiste er von Kloster zu Kloster und studierte bei einer Vielzahl von Heiligen und Weisen im Himalaya, einschließlich seines Großmeisters, der in einer abgelegenen Region Tibets lebte. Zusätzlich zu diesem intensiven spirituellen Training erhielt Swami Rama eine höhere Ausbildung in Indien und Europa. Von 1949 bis 1952 hatte er die angesehene Position des Shankaracharya von Karvirpitham in Südindien inne. Danach kehrte er zu seinem Meister zurück, um sich in seinem Höhlenkloster weiterzubilden, und schließlich kam er 1969 in die Vereinigten Staaten, wo er das Himalayan Institute gründete. Sein bekanntestes Werk, Mein Leben mit den Meistern des Himalayas, enthüllt die vielen Facetten dieses einzigartigen Adepten und zeigt seine Verkörperung der lebendigen Tradition des Ostens.

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