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Unsere synthetische Stimme Anisha lernt ständig neue Worte für eine bessere Aussprache

Von Swami Rama

Dharma war zu allen Zeiten eine große Kraft, um die Menschheit zu beflügeln. Dharma kann uns heute genauso helfen wie in alten Zeiten, aber nur, wenn wir anfangen, die Wahrheit zu leben und nicht nur an sie zu glauben. Wenn wir uns vom Dharma abwenden und uns von der Wahrheit distanzieren, raubt uns das den Seelenfrieden und führt zu Elend. In der Dharma-Praxis wird uns geraten, den Schleier der Unwissenheit abzulegen und Wahrhaftigkeit in unseren Gedanken, Worten und Handlungen zu praktizieren.

Das Wort Dharma hat mehrere Bedeutungen. Nach Ansicht einiger Gelehrter ist die Ausführung von Handlungen Dharma. Nach Ansicht anderer sind Handlungen, die allein durch Rechtschaffenheit aufrechterhalten werden, Dharma. Gemäß der Bhagavad Gita hat das Karma oder die Handlung Brahman (höchste Wahrheit) als Ursprung. Das bedeutet, dass wir Brahman erlangen können, wenn wir unsere Handlungen richtig ausführen. Jede Handlung kann ein Teil des Dharma werden, solange sie auf die Wahrheit ausgerichtet ist. Dharma bezieht sich auf das, was die Menschheit aufrechterhält, stützt und schließlich zu den erhabenen Höhen weltlicher und spiritueller Herrlichkeit führt.

Unsere Pflichten zum Wohle der Menschheit selbstlos erfüllen

Liebe für alle Menschen zu haben – alle einzuschließen und keinen auszuschließen – ist Dharma. Anderen zu helfen, statt sich selbst zu bereichern, ist das Dharma derjenigen, die dem Pfad des selbstlosen Dienens folgen. Die Nation und die Gesellschaft zu verteidigen ist das Dharma von Soldaten und Kriegern. Das höchste Dharma ist jedoch, wenn wir unsere Pflichten zum Wohl der Menschheit liebevoll und selbstlos erfüllen und vor allem die Handlung und ihre Früchte dem Göttlichen widmen. Jemand, der diese höchste Form des Dharma erreicht hat, erfüllt seine Pflichten in der Welt und bleibt doch über ihr. Alle seine Gedanken und Handlungen werden zu einem Teil des Dharma. Sein ganzes Leben ist ein Feld des Dharma.

Das höchste Dharma besteht darin, unsere Pflichten zum Wohl der Menschheit zu erfüllen und unsere Handlungen dem Göttlichen zu widmen.

Anstatt Gebote unter dem Druck von Angst oder Schuld zu befolgen, verpflichtet sich der Strebende zu Disziplin und Selbsttransformation. Er heißt das ewige Dharma willkommen, das Dharma, dessen Architekt niemand anderes ist als die göttliche Kraft – die letzte Wahrheit. Die Anhänger des Dharma begrüßen und übernehmen nur jene Regeln und Gesetze im Leben, die das Wachstum anderer nicht beeinträchtigen und gleichzeitig hilfreich sind, um ihre Kreativität zu steigern und ihnen zu helfen, ihren Lebenszweck zu erfüllen. In der Geschichte der Zivilisation hat niemals ein Prophet oder eine Inkarnation Gottes ein „neues“ Dharma eingeführt. Vielmehr dienten die Weisen als Kanäle für das immerwährende Dharma und hielten dessen hohe Ideale der Menschheit stets vor Augen. Wann immer das von den großen Weisen gelehrte Dharma in Vergessenheit zu geraten schien, inkarnierte sich eine große Seele, um die Massen erneut für das Dharma zu begeistern.

Das Erwachen des Dharma kann durch angemessene Bildung angestoßen werden. Die heutige formale Bildung, die auf bloßer Information beruht, ist unvollständig. In modernen Bildungssystemen werden uns so viele weltliche Dinge wie möglich beigebracht, aber diese Bildung bietet keine Methode zur Selbsteinschätzung und inneren Erforschung. Die heutige Bildung lehrt uns nicht, wie wir unser Erbe am besten nutzen können. Unabhängiges, kritisches Denken wird nicht gefördert. Das hat dazu geführt, dass die Menschen verwirrte und zuweilen widersprüchliche Vorstellungen haben und einander blindlings nachahmen. Infolgedessen glauben manche Menschen fälschlicherweise, dass die Ausübung einer Religion entweder bedeutet, der Welt zu entsagen und religiöse Hymnen und Lieder zu singen, oder nur Bußübungen zu verrichten.

Wir erreichen das Ziel des Lebens, indem wir einen ausgewogenen Weg der Disziplin und des Mitgefühls gehen.

Die Upanishaden befürworten jedoch keine dieser Ideen. In den Upanishaden finden wir ein universelles Dharma, das sowohl Handeln als auch Moral umfasst. Dies sind die beiden großen Säulen, auf denen das Haus der menschlichen Tugenden errichtet ist. Das Ziel des Lebens kann erreicht werden, indem man einem ausgewogenen Pfad der Disziplin und des Mitgefühls folgt. Ein solches Dharma hilft uns, in Frieden und Harmonie zu leben und gleichzeitig Gerechtigkeit und Wahrheit aufrechtzuerhalten. Es hilft einem Suchenden, die richtigen Ziele mit den richtigen Mitteln zu erreichen. Der Strebende kann sich selbst helfen, ohne anderen zu schaden. Ein solcher Mensch kann seine persönlichen Ziele erreichen und gleichzeitig andere inspirieren. Jede seiner Handlungen ist darauf ausgerichtet, das Dharma zu verteidigen, die Tugend zu unterstützen und andere zu inspirieren. Die größten Schriften, wie die Veden und Upanishaden, legen ein solches ewiges Dharma dar.

Lebe lange und hilf anderen, lange zu leben.

Der Intellekt ist der körperlichen Kraft überlegen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper wohnt. Körper und Geist interagieren und beeinflussen sich gegenseitig und werden nur dann zu großartigen Instrumenten, wenn sie in Harmonie arbeiten. Als Mittel sind sie von größter Bedeutung, um das Ziel des Lebens zu erreichen. Ohne geeignete Mittel kann das Dharma nicht bewahrt werden. Shakti – Stärke und Kraft – ist der Schlüsselfaktor bei der Durchführung jedes Projekts. Ohne diese Kraft können weder die Menschen das Dharma aufrechterhalten, noch kann das Dharma die Menschen aufrechterhalten. Shakti impliziert geistige und körperliche Stärke sowie weltliche Ressourcen. In den Upanishaden heißt es wiederholt: „Lebe lange und hilf anderen, lange zu leben.“

Die Tradition der Veden wurde von erleuchteten Sehern und Weisen überliefert, die die innere Wahrheit erkannten. Sie dachten nicht einfach über spirituelle Werte nach, sondern erlebten sie direkt. Ihre direkte Erfahrung ist die Grundlage ihrer Lehre. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Gelehrten und einem Weisen. Ein Gelehrter versucht, die Wahrheit durch den Intellekt zu verstehen, während ein Weiser sie durch ein reines Herz erfährt. Die direkte Erfahrung eines Weisen basiert nicht auf Sinneswahrnehmung oder geistigen Fähigkeiten. Die durch den Intellekt empfangenen Informationen sind wie die Wellen, die auf der Oberfläche des Ozeans aufsteigen. Wahre Erfahrung hingegen wird aus der Tiefe des Ozeans der Glückseligkeit, dem Atman, empfangen. Die Wahrheit liegt nicht an der Oberfläche, sondern in den Tiefen des Bewusstseins. Wahrheit kann nicht das Objekt bloßer Wahrnehmung sein. Sie ist eine Sache der inneren Erfahrung und eine Quelle der Glückseligkeit. Das erleuchtete Herz kann leicht erfahren, was der Intellekt nicht zu begreifen vermag. Sobald es eine direkte Erkenntnis gibt, öffnet sich die Tür des Wissens für immer und bildet die Grundlage des Dharma. Philosophische Debatten, pedantisches Gehabe und organisatorische Anstrengungen können die inneren Tugenden des immerwährenden Dharma nicht nähren.

 

Auszug aus dem Buch “Spirituality: Transformation Within and Without” (Himalayan Institute, 1988/1998)

Dieser Artikel erschien auch in der Wisdom Library des Himalayan Institute, USA.

Deutsche Übersetzung von Michael Nickel und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Himalayan Institute.

 

 

Swami Rama
Swami Rama

Swami Rama (1925-1996) ist einer der großen Weisen, Lehrer, Autoren und Humanisten des 20. Jahrhunderts, sowie der Gründer des Himalayan Institutes (USA) und des Himalayan Institute Hospital Trusts (Indien). Geboren in Nordindien, wurde er von frühester Kindheit an von Bengali Baba, einem Meister aus dem Himalaya, aufgezogen. Unter der Leitung seines Meisters reiste er von Kloster zu Kloster und studierte bei einer Vielzahl von Heiligen und Weisen im Himalaya, einschließlich seines Großmeisters, der in einer abgelegenen Region Tibets lebte. Zusätzlich zu diesem intensiven spirituellen Training erhielt Swami Rama eine höhere Ausbildung in Indien und Europa. Von 1949 bis 1952 hatte er die angesehene Position des Shankaracharya von Karvirpitham in Südindien inne. Danach kehrte er zu seinem Meister zurück, um sich in seinem Höhlenkloster weiterzubilden, und schließlich kam er 1969 in die Vereinigten Staaten, wo er das Himalayan Institute gründete. Sein bekanntestes Werk, Mein Leben mit den Meistern des Himalayas, enthüllt die vielen Facetten dieses einzigartigen Adepten und zeigt seine Verkörperung der lebendigen Tradition des Ostens.

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