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Schlagwortarchiv für: Yamas

Rolf Sovik

Wie erkennt und findet man Guru? – Die führende Kraft des Selbst im Innen und im Außen

Edition 11, Weisheit der Tradition
Lesedauer 9 Minuten

Von Rolf Sovik

Wir sprechen gerne von Mediengurus, Sportgurus und sogar von Verkaufs- und Marketinggurus, doch die Bedeutung des Begriffs „Guru“ bleibt oft unklar und viele haben Angst vor ihm. Das alte Wort aus dem Sanskrit scheint in unser modernes westliches Bewusstsein gerutscht zu sein und dabei seine spirituelle Bedeutung verloren zu haben. Das ist bedauerlich, denn das Konzept, so nebulös es auch ist, hat in der Yogatradition nach wie vor eine große Bedeutung. Weiterlesen

21. April 2023/von Rolf Sovik
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/04/rktkn-iGj6MTyjC3M-unsplash.jpg 1280 1920 Rolf Sovik https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Rolf Sovik2023-04-21 11:42:042026-05-04 11:10:47Wie erkennt und findet man Guru? – Die führende Kraft des Selbst im Innen und im Außen
Wolfgang Bischoff

Vollmondtext Oktober 2022: Mit dem Feuer des Gewahrseins im Loslassen die spirituelle Krise überwinden

Vollmondtexte
Dreamstudio AI
Lesedauer 5 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

Am 9. Oktober 2022 erstrahlt der Herbstvollmond am azurblauen Himmel. Lasst uns gemeinsam von 21 bis 22 Uhr still werden, jede an ihrem Platz und das Phänomen der spirituellen Schulung kontemplieren.

Wir sollten beim Üben der Konzentration, Kontemplation und Meditation immer daran denken, dass, wenn wir einen Fortschritt in diesen Übungen erlangen wollen, wir drei Fortschritte im Erüben der Yamas und Niyamas, der Verhaltensvorschläge im Umgang mit Anderen und mit mir selbst machen sollten.

Das Pflegen des Wohlgefühls durch all unsere Übungen sollte immer gleichzeitig eine soziale Ausrichtung zum Wohle der Menschheit beinhalten. Jedoch beginnt dann – sobald wir uns von der Gewalt im Inneren sowie auch im Äußeren, die alle Menschen bindet, befreien, indem wir sie überwinden lernen – eine vitale Auseinandersetzung mit unserem eigenen Ego und den Neigungen, Phänomene gut oder schlecht zu finden. Wir erkennen, dass wir uns bisher immer mit unseren Handlungen und deren Früchten identifiziert haben, uns als Objekte empfunden haben und das Subjekt des gesamten Prozesses aus den Augen verloren haben. Weiterlesen

8. Oktober 2022/von Wolfgang Bischoff
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/10/2154958812_The_fire_of_consciousness_in_the_mind_of_a_meditation_master_sitting_in_a_hyperrealistic_himalaya_mountain_landscape_under_a_large_full_moon_.png 576 1024 Wolfgang Bischoff https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Wolfgang Bischoff2022-10-08 17:56:322026-05-04 11:26:55Vollmondtext Oktober 2022: Mit dem Feuer des Gewahrseins im Loslassen die spirituelle Krise überwinden
Wolfgang Bischoff

Vollmondtext August 2022: Du kannst alles erreichen, wenn du mit offenem Herzen und offenem Geist praktizierst

Vollmondtexte
Swami Rama - Meditation - Biographie - Zur elften Stunde - Agni Verlag 2021nHimalayan Institute USA/Agni Verlag
Lesedauer 5 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

Am 12. August erstrahlt der Vollmond und läutet so langsam die Herbstzeit ein. Die Jahre gehen schnell vorüber, jedoch ist die Zeit etwas sehr Relatives. Sie ist sehr bedeutsam in der Welt der Realität, des Werdens. In der Welt des reinen Seins jedoch verliert sie an Bedeutung. Zu dieser Welt des Seins lasst uns gemeinsam, jede an ihrem Platz, Kontakt aufnehmen. Lasst uns still werden und den Augenblick in seiner Schönheit, seiner Erhabenheit genießen.

Ich möchte mit euch eine Erfahrung teilen, die ich mit Swami Rama hier in meinem Haus  erlebt habe und seine Unterrichtung danach. Es gibt viel Kritik an Swami Rama, aber seine Unterrichtung war einmalig, einfach und wesentlich. Immer wieder wies er darauf hin, dass wir zwischen der Welt der Form, seiner individuellen Person, unterscheiden lernen müssen und dem, was die Meister des Himalayas lehren, was zeitlos und inspirierend ist. Weiterlesen

11. August 2022/von Wolfgang Bischoff
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/swami_rama_meditation_C_3_Agni_Verlag_16-9-web2400.jpg 1350 2400 Wolfgang Bischoff https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Wolfgang Bischoff2022-08-11 20:40:062026-05-04 11:27:35Vollmondtext August 2022: Du kannst alles erreichen, wenn du mit offenem Herzen und offenem Geist praktizierst
Irene (Aradhana) Petryszak

Nichts und niemanden verletzen: Die Kunst von Ahimsa

Weisheit der Tradition
Priscilla du Preez7Unsplash CC0
Lesedauer 6 Minuten

Von Aradhana Petryszak

Ahimsa (Gewaltlosigkeit) – der erste und wichtigste der fünf Yamas (Selbst-Beschränkungen), die im Yoga Sutra beschrieben werden – fordert uns auf, so zu leben, dass wir keinem Lebewesen in Gedanken, Worten oder Taten Schaden zufügen. Das gilt auch für uns selbst! In seiner reinen Form ist Ahimsa der spontane Ausdruck der höchsten Form der Liebe – eine bedingungslose positive Wertschätzung für jeden und alles.

Wenn unser Leben gut läuft, scheint es leicht zu sein, Ahimsa zu praktizieren. Aber wenn sich Stress und Angst auftürmen, verflüchtigen sich unsere besten Absichten, wie ich vor vielen Jahren auf dramatische Weise erfahren habe. Eines Tages, als ich frisch verheiratet war, wurde mein Mann wütend und nannte mich dumm. Ich wurde so wütend, dass ich rot sah und den Sinn für alles um mich herum verlor. Blind griff ich nach dem erstbesten Gegenstand, der mir in die Hände fiel (in diesem Fall ein Buch mit festem Einband) und warf es ihm an den Kopf. Zum Glück hat er sich geduckt. Es dauerte einen Moment, nachdem das Buch gegen die Wand geknallt war, bis ich wieder zu mir kam und mir bewusst wurde, dass ich es geworfen hatte. Als ich wieder normal atmen konnte, war ich fassungslos. Schließlich praktizierte ich Yoga und griff nicht einfach Leute an. Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ich die verrückte Art und Weise, wie mein Mann mit mir sprach, nicht ändern konnte, aber ich konnte die Art und Weise ändern, wie ich reagierte.

Indem wir unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen und ihre Folgen beobachten, können wir lernen, innezuhalten, durchzuatmen und uns neu zu orientieren.

Nach diesem Vorfall begann ich zu beobachten, was passierte, wenn mein Temperament aufflammte, und erkannte, dass ich mir selbst als Erstes Schaden zufügte. Ich merkte, wie sich alles – mein Körper, mein Atem, meine Gedanken – verkrampfte und unruhig wurde. Ich verlor meine Mitte. Ich wurde ohnmächtig und Gegenstände flogen. Die Weisen sagen, dass wir zuerst in uns selbst Frieden finden müssen, um ein friedliches, harmonisches Umfeld zu Hause, am Arbeitsplatz oder in unserer Gemeinschaft zu schaffen. Das ist ein Prozess. Indem wir unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen und ihre Folgen beobachten, können wir lernen, innezuhalten, tief durchzuatmen und uns neu zu orientieren. Wenn wir uns zurückziehen und beobachten, können wir uns entscheiden, auf eine neue, liebevollere und akzeptierende Weise zu reagieren. Weiterlesen

23. März 2022/von Irene (Aradhana) Petryszak
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/03/priscilla-du-preez-VzqEavUGnss-unsplash.jpg 1594 2400 Irene (Aradhana) Petryszak https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Irene (Aradhana) Petryszak2022-03-23 17:47:212026-05-04 11:32:42Nichts und niemanden verletzen: Die Kunst von Ahimsa
Swami Rama

Raja Yoga: Achtfacher Pfad zur Heilung und nährender Stärkung (Teil 2 von 3)

Weisheit der Tradition
Kopf in WurzelnJavier Graterol / Unsplash CC0
Lesedauer 9 Minuten

Von Swami Rama

 

Im vorigen Teil des Beitrags findest Du eine Einleitung zu Raja Yoga von Patanjali.

Der Achtfache Pfad zum freudvollen Leben

Der größte Fehler, den Menschen auf der Suche nach Frieden und Glück machen, ist das Ignorieren der goldenen Gesetze eines gesunden Lebens: richtig essen, richtig atmen, richtig schlafen, richtig denken, Sinnesfreuden richtig genießen, richtig mit anderen interagieren und auf den höheren Zweck des Lebens konzentriert bleiben. Wenn du dich nicht an diese goldenen Gesetze eines gesunden und glücklichen Lebens hältst, wirst du weiterhin mit deinem persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen Leben zu kämpfen haben. Egal wie intelligent du bist, du wirst ein Opfer von Faulheit und Trägheit bleiben. Trotz deiner Absichten, ein produktives Leben zu führen, wirst du unter einem Mangel an Ausdauer leiden. Du wirst mit einem schwachen Körper und einem zerstreuten Geist enden. Du wirst so viel Zeit und Energie damit verschwenden, mit einer langen Kette von Hindernissen zu kämpfen, die aus dem ungesunden Körper und dem unruhigen Geist entstehen, dass nur sehr wenig für die Arbeit an deinem Hauptziel übrig bleibt, sei es weltlich oder spirituell. Die Beseitigung von Hindernissen ist ein wichtiger Teil der Arbeit an deinem Hauptziel, weshalb die Einhaltung dieser goldenen Gesetze dir hilft, die Grundlage für ein freudvolles Leben zu schaffen. Weiterlesen

2. Juli 2021/von Swami Rama
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/Kopf-in-Wurzeln-javier-graterol-RNX2VfdtpdE-unsplash.jpg 1800 2400 Swami Rama https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Swami Rama2021-07-02 17:54:262026-05-04 11:40:01Raja Yoga: Achtfacher Pfad zur Heilung und nährender Stärkung (Teil 2 von 3)
Rolf Sovik

Die Yamas: Harmonie im täglichen Leben schaffen

Hilfreiche Übungen & Tipps, Weisheit der Tradition
Eiscreme, SchlemmenLaura Seaman
Lesedauer 10 Minuten

Von Rolf Sovik

Die Yoga-Tradition bietet einen Weg, unproduktive Gewohnheitsmuster durch eine Reihe von 10 kraftvollen Richtlinien für das tägliche Leben zu verändern: die Yamas (die Beschränkungen) und Niyamas (die Verhaltensweisen), die ersten beiden Sprossen der Leiter des Raja Yoga (königlicher Yoga, der achtgliedrige Pfad). Die Yamas und Niyamas zeigen uns, wie wir unsere Beziehungen mit uns selbst, mit anderen und mit der Welt um uns herum gestalten können. Durch sie können wir uns transformieren und unsere spirituellen Ziele in das tägliche Leben bringen.

Die fünf Yamas (die Beschränkungen) stoppen den Energieabfluss, der stattfindet, wenn wir uns in den vier primitiven Trieben verlieren – Ernährung, Schlaf, Sex und Selbsterhaltung. Sie warnen uns, wenn unsere gegenwärtigen Handlungen nicht mit unseren spirituellen Bestrebungen übereinstimmen, und sie veranlassen uns, unproduktive Verhaltensweisen zu zügeln und sie durch neue und produktivere zu ersetzen. Indem wir die Yamas praktizieren, lernen wir die psychologischen Prozesse hinter unseren Handlungen zu verstehen und werden dadurch geschickter im Umgang mit emotionalen Störungen. Weiterlesen

2. Juli 2021/von Rolf Sovik
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/Escreme-Schlemmen-laura-seaman-1_vVk1HcJFI-unsplash.jpg 1600 2400 Rolf Sovik https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Rolf Sovik2021-07-02 14:49:012026-05-04 11:40:44Die Yamas: Harmonie im täglichen Leben schaffen
Rolf Sovik

Die Niyamas: Schlüssel zum spirituellen Fortschritt

Hilfreiche Übungen & Tipps, Weisheit der Tradition
Rituelles Bad zur Reinigung von Körper und SeeleSachin Singh / Unsplash CC0
Lesedauer 9 Minuten

Von Rolf Sovik

Die Yamas und Niyamas zusammen stellen die 10 kraftvollen Richtlinien dar, welche die ersten beiden Sprossen des Raja Yoga (königlicher Yoga, der achtgliedriger Pfad) bilden. Wenn die Yamas (die Beschränkungen) wie die Ufer eines Flusses sind, die den willkürlichen Fluss der inneren Energien eindämmen, dann sind die Niyamas (die Verhaltensweisen) die Disziplinen und Beobachtungen, die diesen Strom vorwärts in Richtung seines Ziels treiben. Die fünf Niyamas sind konstruktive Werkzeuge, um Glück und Selbstvertrauen zu kultivieren – die Gelegenheiten, sie zu praktizieren, ergeben sich, wo auch immer du dich befindest.

Selbst-Reinigung (Shaucha)

Shaucha bedeutet “ Reinigung; Sauberkeit“. Es beinhaltet eine Reihe von Techniken zur Reinigung des Körpers und des Geistes und wird sogar als das Ziel des gesamten Yoga-Systems bezeichnet. Warum hat es eine solche Bedeutung? Die Weisen sagen, dass Shaucha nicht nur die Grundlage für körperliche Gesundheit ist, sondern auch das Tor zu tieferen und ruhigeren Zuständen der Meditation ist. Weiterlesen

2. Juli 2021/von Rolf Sovik
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/Waschung-sachin-singh-xBj61v5PiHU-unsplash.jpg 1600 2400 Rolf Sovik https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Rolf Sovik2021-07-02 14:17:332026-05-04 11:40:55Die Niyamas: Schlüssel zum spirituellen Fortschritt
Michael Nickel

Sommer 2021 –
innere Leichtigkeit in der eigenen Spiritualität im Alltag

Zeitpunkt
Schaukel SommerRaimond Klavins /Unsplash CC0
Lesedauer 13 Minuten

Von Michael Nickel

Der Sommer ist da! Hurra! – wie jede Jahreszeit hat der Sommer seinen eigenen Charme und er bietet vielen verschiedenen Vorlieben etwas. Sei es für alle Frühaufstehenden ein herrlich kühler, lichter Morgen für einen Spaziergang im Morgentau oder eine Yoga- und Meditationspraxis auf der Terrasse oder im Garten – ein bruzzel-heißer, sonniger Nachmittag im Liegestuhl oder auf dem Strandtuch für alle Sonnenanbetenden – oder für alle Lang-Tschillenden eine laue, lang andauernde blaue Stunde in der Hängematte mit gutem Lesestoff oder auf Terrasse, Balkon, auf dem Rooftop oder im Park mit guten Freunden bei einem geselligen Gespräch.

Diese Vielfalt an Situationen und Anknüpfungspunkten ist es wohl, dass die überwiegende Mehrzahl von uns den Sommer liebt. Wir alle finden etwas, woran wir uns laben können. Ein Gefühl des „richtigen Seins“ mag sich in uns ausbreiten. In anderen Worten: Die Welt entspricht (weitgehend) unseren Vorstellungen. Das Interessante dabei ist, dass dies nicht mal den ganzen Tag so sein muss, es reichen uns diese paar Stunden am Tag, in denen alles seinen Platz findet und sich zu einem Puzzle zusammensetzt, dessen Gesamtheit unserer Weltsicht entspricht – ohne Reibungen, ohne Ecken und Kanten, alles im Fluss. Weiterlesen

22. Juni 2021/von Michael Nickel
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/Schaukel-Sonne-raimond-klavins-_GWMjdDBrpI-unsplash.jpg 1600 2400 Michael Nickel https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Michael Nickel2021-06-22 12:00:552026-05-04 11:42:52Sommer 2021 –
innere Leichtigkeit in der eigenen Spiritualität im Alltag
Rolf Sovik

Selbstreflexion: Ein Werkzeug für Heilung und Befreiung (Yoga als Heilkunst – Teil 4)

Hilfreiche Übungen & Tipps, Weisheit der Tradition
SonnenaufgangShashank Sahay/Unsplash CC0
Lesedauer 6 Minuten

Von Rolf Sovik

Im vorigen Beitrag der Serie „Yoga als Heilkunst“ haben wir uns mit der Natur der Schmerzen auseinandergesetzt. Nun wenden wir uns den Werkzeugen der Heilung zu. Unter den sechs Darshanas (Schulen) der indischen Philosophie bietet Yoga die Werkzeuge – Haltungen, Atemtraining, meditative Methoden und Selbstreflexion – um sich aktiv mit dem inneren Leben auseinanderzusetzen. Daher wird Yoga auch als Moksha Shastra, als „Befreiungslehre“ bezeichnet. Aber Befreiung wovon? Behalte im Hinterkopf, dass Yoga, auch wenn es als Moksha Shastra beschrieben wird, kein Fluchtweg ist. Yoga sagt uns nicht, dass wir uns von der Welt abwenden oder menschliche Angelegenheiten vermeiden sollen. Vielmehr ruft Yoga zu Selbstanstrengung und Selbstreflexion auf. Sein Ziel ist es, in den Worten der Bhagavad Gita, zu einer „Abkopplung“ von der eigenen schmerzhaften „Verbindung mit dem Leiden“ zu gelangen (Bhagavad Gita 6.22-6.23). Dies ist die zugrundeliegende Bedeutung von Moksha und das Ziel aller Praxis – die Befreiung von Schmerz und Leiden.

Vertrauen und der innere Heiler

Die Reise zu einer solch bemerkenswerten neuen Perspektive ist eine, auf der wir uns allmählich selbst transzendieren. Yoga hilft, diese Art von Veränderung herbeizuführen – aber wie? Welche Verschiebungen machen neues Lernen durch Yoga möglich? Wie wir in früheren Beiträgen zu Yoga als Heilkunst gesehen haben, sind die Bedürfnisse, die uns auf einen yogischen Weg bringen, vielfältig. Sie beinhalten das Bedürfnis nach Heilung, nach persönlicher Entfaltung und nach spirituellem Erwachen. In jedem Fall wird gesagt, dass Shraddha (Vertrauen) die Anfänge des Pfades charakterisiert. Selbst die Behebung kleinerer Leiden (ein Schnitt im Finger oder eine laufende Nase) erweckt das Vertrauen – Vertrauen an die Kraft und die Gegenwart eines inneren Heilers. Mit jeder Demonstration von wiederhergestellter Gesundheit und wiedergewonnener Kraft, gewinnen wir noch mehr Gewissheit, dass es eine heilende Präsenz in uns gibt. Und indem wir uns dem Gleichgewicht zuwenden und uns mit so grundlegenden Werkzeugen wie Ruhe, Atmung und ruhigem Loslassen ausrichten, laden wir diese Kraft der Heilung ein, nach vorne zu kommen.

Selbst wenn die Gesundheit ernsthaft untergraben ist – herausgefordert durch chronische Krankheit, emotionale Not oder starke Schmerzen – verankert der Glaube an den Heilungsprozess unsere Suche nach Erleichterung und weckt das Vertrauen in die Wirksamkeit der Yoga-Techniken.

Für die meisten von uns beginnen diese Techniken mit Asana, einer Reihe von Körperhaltungen und unterstützenden Praktiken, die das Bewusstsein für den physischen Körper wecken. Eine gut durchdachte Asana-Routine kann grundlegende Veränderungen in der Art und Weise bewirken, wie wir auf Schmerzen reagieren. Mit der Zeit können ruhigere Reaktionen, stabilere Stimmungen und vorteilhafte Veränderungen im Lebensstil Teil einer neuen Fähigkeit werden.

Es ist unvermeidlich, dass der Fortschritt im Yoga zu dem Wunsch nach mächtigeren Heilungswerkzeugen führt. Yoga-Anleitungen scheinen oft genau das zu bieten – Wege, unsere Grenzen zu erweitern. Aber während anspruchsvolle Haltungen uns verlocken mögen, sind weniger anspruchsvolle Strategien oft besser für die Heilung geeignet. Ein praktischer Ansatz ist es, eine erholsame Einstellung zur Asana-Arbeit einzunehmen. Langsames und geduldiges Dehnen, systematisches Kräftigen der Muskeln, Koordinierung der Bewegung mit der Atembewusstheit, Aufmerksamkeit für die energetischen Dimensionen der Praxis – all diese Strategien helfen.

Rahmen für die Selbstreflexion

Ein weiterer Ansatz ist die Selbstreflexion. Das spirituelle Leben ist von Natur aus reflektierend. Seine Themen – darunter Gesundheit und Heilung – veranlassen uns, verschiedene Aspekte der Yoga-Lehre zu nutzen, um uns selbst zu untersuchen. Mit der Zeit führt diese Selbstanalyse zum Erkennen von Samskaras (Gewohnheitsmustern), die unsere tägliche Routine formen und unsere Wünsche befeuern. Yoga-Schüler sind besonders daran interessiert, diese Muster des inneren Lebens zu verstehen und so zu lernen, über sie und ihre negativen Folgen Herr zu werden.

Eine besonders nützliche Strategie ist es, die Werkzeuge der Kontemplation und Selbstreflexion zu pflegen, die im Yoga-System selbst eingebaut sind. Ein Beispiel für diese Werkzeuge ist die Sammlung der Yamas und Niyamas, die Einschränkungen und Gebote, die die Grundlage und die ersten beiden Glieder des Raja Yoga sind (Yoga Sutra 2.29).

Yamas

  • Nicht-Verletzen
  • Wahrhaftigkeit
  • Nicht-Stehlen
  • Mäßigung der Sinne
  • Nicht-Besitzergreifung

Niyamas

  • Reinheit
  • Zufriedenheit
  • Entschlossene Selbstanstrengung
  • Selbst-Studium
  • Vertrauensvolle Hingabe an das Unendliche

Das Bemühen, die Yamas und Niyamas zu praktizieren, ist ein wesentlicher Bestandteil des yogischen Prozesses der Introspektion. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit bewusst zur Ruhe bringen und sie nach innen richten, um darüber zu kontemplieren, wie wir diese zehn Verpflichtungen praktizieren oder nicht praktizieren, wird sie ganz natürlich zum feinsten Teil des Geistes, die Buddhi, gezogen. Dort, sensibel für das Reine und das Unreine, leitet uns die Buddhi. Es gibt uns ein inneres Gespür dafür, ob wir auf dem richtigen Weg sind, ob wir in uns selbst zentriert sind – selbst im Angesicht konkurrierender Ablenkungen – oder ob wir beginnen, vom Pfad abzuweichen und was wir tun müssen, um wieder in die Mitte zu kommen. Wenn wir uns an dem orientieren, was wir als weise und wahr empfinden, dann wird die Selbstreflexion zu Ausgeglichenheit und Selbstverständnis führen. Wenn wir uns beispielsweise wütend fühlen, können wir auf zwei Arten reagieren: wir können reagieren und zurückschlagen, was noch mehr Schaden anrichtet, oder wir können zurücktreten, ein paar Mal tief durchatmen, weggehen und darüber nachdenken, was unseren Ärger ausgelöst hat und warum – und dann daran arbeiten, ihn zu lösen.

Du kannst eine ähnliche Praxis der Kontemplation kultivieren, basierend auf der Liste der neun Hindernisse (Antarayas) und der sie begleitenden Symptome, die im Yoga Sutra 1.30-1.31 zu finden sind. Hier ist die Liste von allen:

Hindernisse

  • Krankheit
  • Mentale Trägheit
  • Zweifel
  • Nachlässigkeit
  • Trägheit
  • Unfähigkeit, sich von Sinnessehnsüchten zurückzuziehen
  • Festhalten an Missverständnissen
  • Unfähigkeit, Fortschritte zu erreichen
  • Unfähigkeit, den erreichten Fortschritt zu bewahren

Symptome

  • Schmerz
  • Entmutigung
  • Unruhige Gliedmaßen
  • Störung der Einatmung
  • Störung der Ausatmung

Diese Hindernisse weisen auf Blockaden im Entfaltungsprozess des Yoga hin. Sie repräsentieren Umstände, in denen Gleichmut und Konzentration abgenommen haben und durch eine oder mehrere umherstreifende Tendenzen des Geistes ersetzt wurden. Aber die neun Hindernisse und ihre Begleiterscheinungen sind auch Chancen. Sie dienen als Nahrung für die Introspektion und liefern uns Fragen – Fragen, die wir durch unsere Praxis beantworten können: Welches der neun oben aufgeführten Hindernisse hält meine Praxis (und mein Leben) davon ab, perfekt zu sein? Welche Symptome nehme ich wahr, die mich zurückhalten? Die Identifizierung dieser Symptome zeigt uns, was wir priorisieren sollten – wo wir anfangen sollten und wo wir vielleicht mehr Anleitung, Selbstanstrengung oder eine Änderung der Einstellung brauchen. In diesem Prozess beginnen wir, unsere eigene transformative Reise und die Wegweiser auf dem Weg klarer zu sehen.

Yoga erinnert uns daran, dass alles Leiden ein Lehrer ist und dass seine Lektionen zu unserer Erhöhung dienen.

Wir sollten nicht erwarten, dass reflektierendes Denken allein, ohne die anderen Praktiken des Yoga, automatisch produktive Veränderung bringt. In der Meditation sehen wir oft unsere Unzulänglichkeiten, aber auch unsere Potentiale. Existentiell verweilen wir auf halbem Weg zwischen beiden – wir sehen das endgültige Ziel, aber wir verfehlen es oft. Letztendlich stellt Yoga das Gleichgewicht auf unseren tiefsten Ebenen wieder her. In diesem Prozess lernen wir, aufmerksamer auf Buddhi, die Stimme unseres Herzens, zu hören – eine Stimme, die oft zwischen konkurrierenden inneren Perspektiven verloren geht. Yoga erinnert uns daran, dass alles Leiden ein Lehrer ist und dass seine Lektionen zu unserer Erhöhung dienen. Mit diesem Verständnis können wir beginnen, Perioden der Reflexion als Gelegenheiten zu sehen – Edelsteine des ruhigen, strahlenden Lichts.

 

Dieser Artikel erschien zuerst im Amrit Blog in der Wisdom Library des Himalayan Institute, USA.

Deutsche Übersetzung von Michael Nickel und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Himalayan Institute, USA.

 

18. März 2021/von Rolf Sovik
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/03/Sonnenuntergang-shashank-sahay-fxvoZgxGJfo-unsplash.jpg 1600 2400 Rolf Sovik https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Rolf Sovik2021-03-18 11:45:542026-05-04 11:45:28Selbstreflexion: Ein Werkzeug für Heilung und Befreiung (Yoga als Heilkunst – Teil 4)
Stephanie Schönberger

Stephanie Schönberger: „Weil nach jedem Gewitter die Sonne wieder scheint“

Wir sind für Dich da
Stephanie Schönberger 8sam Yoga Kaufbeuren für Agni MagazinStephanie Schönberger
Lesedauer 6 Minuten

Interview mit Stephanie Schönberger

In welcher Form arbeitest Du mit Menschen?

Ich bin Yogalehrerin, unterrichte Gruppen, bilde angehende Yogalehrer*innen aus, leite Jahresgruppen für Menschen, die sich intensiver mit Yoga beschäftigen möchten – ohne gleich Lehrer**in werden zu wollen. Inzwischen biete ich auch online Kurse an. Über das Yoga Sutra und über gelebte Yoga-Philosophie.


Als was siehst Du Dich in dieser Funktion?

Als jemand, der sehr positive Erfahrungen mit diesem alten Wissen gemacht hat und es jetzt weitergibt, in der Hoffnung, dass es auch andere berührt und deren Leben bereichert. Weiterlesen

10. Dezember 2020/von Stephanie Schönberger
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2020/12/Stephanie-Schoenberger-bogen-1.jpg 785 1396 Stephanie Schönberger https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Stephanie Schönberger2020-12-10 15:28:472026-05-04 11:57:30Stephanie Schönberger: „Weil nach jedem Gewitter die Sonne wieder scheint“
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