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Unsere synthetische Stimme Anisha lernt ständig neue Worte für eine bessere Aussprache

Von Rolf Sovik

Der Atem ist ein Vehikel zur Vertiefung der Konzentration und zur Entdeckung stiller Quellen der Freude. Zwei Techniken, die weitreichende Auswirkungen haben können, sind Nadi Shodhana und Sushumna-Atmung. In diesen Übungen werden die beiden großen Energieformen im Körper-Geist koordiniert und die Aufmerksamkeit wird auf den zentralen Strom des Atems gelenkt. Durch die Aufrechterhaltung des Bewusstseins auf diesem zentralen Strom beginnt ein Prozess der Transformation, der zu einem beständigen und ruhigen Geist führt. In diesem Beitrag werden wir uns auf die Sushumna-Atmung konzentrieren.

Sushumna: Eine Einführung

Das Wort Sushumna lässt sich in drei Teile zerlegen, obwohl sie für einen Deutschsprachigen kaum aussagekräftig erscheinen. Die Aufteilung ist “su-su-mna”. Du kannst einwenden: “Warte mal, die Schreibweise des zweiten “su” ist geändert, und “mna” scheint auch ziemlich eigenartig zu sein.” Nun, du hast Recht: “su” ist ein Präfix, das sich oft in “shu” ändert. Es bedeutet “gut, schön, tugendhaft, süß und positiv”, und findet sich auch im englischen Wort “sugar” – Zucker. “Mna” ist eine selten verwendete Verbenwurzel mit der gleichen Bedeutung wie ihre häufigere Wurzelform “man”, was “denken” bedeutet.

Wenn “su” und “mna” zusammenkommen (also “shumna”, soviel wie “gute Gedanken”), wird das Ergebnis mit “freundlich oder gnädig” übersetzt – zumindest ist es das, was man in Sanskrit-Wörterbüchern finden kann. Die Verdoppelung des Präfixes (“su-shumna”) vermittelt diese Eigenschaften im Superlativ. Wir könnten sagen: “Sehr freundlich oder sehr gnädig.”

Yoga-Meister geben uns jedoch eine alternative Bedeutung. Sie erklären, dass Sushumna auch als “Sukha-mana” interpretiert werden kann, also als “freudiger” (sukha) “Geist” (mana). In dieser neuen Verbindung enthält das erste Wort “sukha”, das normalerweise mit “glücklich” oder “fröhlich” übersetzt wird, auch das Präfix “su” – diesmal ergänzt um das kurze Substantiv “kha”. Unter den vielen Definitionen für “kha” (was im Allgemeinen mit dem Begriff des Raumes zusammenhängt) ist die Bedeutung, “der Raum im Zentrum eines Rades”. Die Implikation von “su-kha” ist also, dass in der Mitte eines jeden Rades ein Ort des Gleichgewichts und der Ruhe ist. So bedeutet “sukha” also “gut zentriert, reibungslos” – oder besser gesagt “glücklich” und “fröhlich”. Es erinnert uns daran, dass es im Zentrum jedes menschlichen Lebens eine Drehscheibe gibt, die die Quelle der inneren Freude ist.

Die Etablierung von Sushumna

Wir haben gesehen, dass Variationen in der Nasenflügel-Dominanz im Alltag erwartet und willkommen sind, aber dass die Meditationspraxis verstärkt wird, wenn die rechten und linken Nasenlöcher gleichmäßig fließen. Wir können dabei helfen, indem wir uns auf den Energiefluss an der Nase konzentrieren. Adepten haben diesen Prozess als “Etablierung von Sushumna” bezeichnet, und wenn er abgeschlossen ist, wandert die Aufmerksamkeit nach innen entlang eines zentralen Kanals, der von der Nasenwurzel zur Mitte zwischen den Augenbrauen und nach unten entlang der Wirbelsäule führt.

Idealerweise folgen die beiden Nasenflügel, sobald Sushumna etabliert ist, der Führung des Geistes und beginnen gleichmäßig zu fließen, aber das ist in der Praxis oft schwer zu erreichen. Ein Nasenloch kann sich verstopft fühlen und nicht bereit sein, sich zu öffnen. Der andere kann sich öffnen, ohne seine Aktivität zu mäßigen.

Heißt das, dass unsere Praxis zum Scheitern verurteilt ist? Es ist gut, sich daran zu erinnern, dass die Etablierung von Sushumna genauso viel mit der Fähigkeit zu tun hat, sich auf das Gefühl des Atems zu konzentrieren, wie mit tatsächlichen Veränderungen in der Nasenflügel-Dominanz. Wenn die Aufmerksamkeit fest im zentralen Energiestrom entlang des Nasenrückens ruht, wird die Meditation auf natürliche Weise vertieft. Es wäre hilfreich, wenn die beiden Nasenlöcher gleichmäßig frei sein würden, aber der Akt der Konzentration ist der wichtigste Bestandteil dieser Praxis.

Eine Praxis für den Anfang
  • Sitze aufrecht mit geschlossenen Augen. Atme 5 bis 10 mal so, als ob dein ganzer Körper atmet. Spüre die reinigenden und nährenden Empfindungen eines jeden Atemzuges. Übe eine oder mehrere Runden Nadi Shodhana, wenn du möchtest.
  • Jetzt lenke deine Aufmerksamkeit auf die Berührung des Atems im aktiven Nasenloch. Konzentriere dich auf den Atem, als ob er nur durch die aktive Seite fließt. Halte dort deine Aufmerksamkeit aufrecht, bis sie stabil geworden ist und du den Atem ohne Unterbrechung spüren kannst. Lasse deine Gedanken kommen und gehen, ohne ihnen Energie oder Aufmerksamkeit zu schenken. Konzentriere dich einfach auf den Atem im aktiven Nasenloch und lass dein Nervensystem entspannen.
  • Als nächstes lenke deine Aufmerksamkeit auf den Atem im passiven Nasenloch. Spüre wieder den Atemfluss, bis du deinen Fokus ohne Unterbrechung halten kannst. Bleibe hier länger, als du auf der aktiven Seite geblieben bist. Durch Beibehaltung des Fokus kann sich das Nasenloch öffnen.
  • Schließlich verschmelzen diese beiden Ströme mental zu einem einzigen, zentralen Strom. Einatmend, atmest du, als ob der Atem von der Basis der Nasenlöcher nach innen zum Punkt zwischen den Augenbrauen (dem Ajna-Chakra) fließt. Ausatmend, lässt du den Atem vom Ajna-Chakra zurück zur Basis der Nasenlöcher fließen. Atme entlang dieses zentralen Flusses hin und her, während Du Deinen Geist allmählich entspannst.
  • Sitze, so lange du willst, und lege deine Aufmerksamkeit auf den Fluss des Atems. Entspanne Körper, Atmung und Geist.
Ein ruhiges Zentrum

Sushumna, jener Energiekanal, welcher im Kern der Wirbelsäule fließt, ist in mancher Hinsicht wie das Auge eines Wirbelsturms. Sushumna soll von den mächtigen Energien von Ida und Pingala (dem linken und rechten Kanal) unberührt bleiben. Sushumna ist auf diese Weise das Zentrum des Lebens. Während der Meditation ruht der Geist von seiner äußeren Aktivität und wird auf natürliche Weise zu diesem zentralen Energiekanal hingezogen. Mit der darin verankerten Aufmerksamkeit erleuchtet eine Erfahrung tiefer Freude den Geist.

Nach der Meditationspraxis wird die Aufmerksamkeit wieder nach außen gelenkt und ein aktives Interesse an weltlichen Angelegenheiten wiederhergestellt, oft mit mehr Enthusiasmus als zuvor. Der Charme der meditativen Erfahrung besteht darin, dass sie weiterhin eine subtile Stimmung des Glücks und der Zufriedenheit erzeugt, ähnlich wie die Freude, einen schönen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang erlebt zu haben. Diese Erinnerung erfüllt das Bewusstsein mit Zuversicht, Optimismus und guter Laune.

 

Dieser Artikel erschien zuerst im Amrit Blog in der Wisdom Library des Himalayan Institute, USA.

Sushumna – Pathway to Joy © 2017 Himalayan Institute, Honesdale, PA, USA.
Deutsche Übersetzung von Michael Nickel und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Himalayan Institute, USA.


Rolf Sovik
Rolf Sovik

Rolf Sovik, Präsident und Spiritueller Leiter des Himalayan Institute, Doktor der Psychologie, begann 1972 sein Studium von Yoga und Meditation. Er ist Schüler von Swami Rama und Pandit Rajmani Tigunait und hat unter ihrer Anleitung die Lehren der Himalaya-Tradition erforscht. Er hat Abschlüsse in Philosophie, Musik, Östliche Studien und Klinische Psychologie. Derzeit lebt er mit seiner Frau Mary Gail am Himalayan Institute.

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