Lass Dir den Beitrag von Anisha vorlesen!

Unsere synthetische Stimme Anisha lernt ständig neue Worte für eine bessere Aussprache

Von Michael Nickel

In herausfordernden Zeiten wie diesen suchen wir immer wieder nach Halt in innerem und äußerem Frieden. Doch was ist es eigentlich genau, wonach wir da suchen? Was ist denn Frieden? – Was sich so einfach anhört, ist bei näherer Betrachtung ziemlich komplex. Denn Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg, Gewalt, sowie äußerer und innerer Unruhe und Sorgen. Wenn wir Frieden als etwas Persönliches, Familiäres, Gesellschaftliches, Ökologisches betrachten und das persönlich definieren, was kommt dabei heraus? – In Mitteleuropa leben wir seit 75 Jahren ohne Krieg. Doch heißt das, wir leben im Frieden? Wenn ich mir die weltweite gesellschaftliche Polarisation ansehe und den laufenden Verteilungskampf um Impfstoff, der offen – und sicher noch mehr hinter den Kulissen – ausgetragen wird, dann sehe ich eher “Unfrieden” als Frieden. Was mich als Idealist traurig werden lässt…

Doch halt, wir wären ja hier nicht im Gedankenfutter, wenn wir beim Traurig sein stehen bleiben würden. Wir kratzen also mal wieder die Kurve zum  Yoga und fragen uns, was die weitere Yoga-Philosophie zum Thema Frieden zu sagen hat. Und wenn Dir jetzt ein freudvolles dreifaches “Om Shaaanti – shaaanti – shaaanti-hiiiii!” einfällt, sind wir zumindest schon mal bei einem herrlichen, wenn auch zugegebenermaßen etwas klischeehaften Anfang, aber eben auch noch lange nicht am Ende. Denn es gibt Schriften, die ein weit umfassenderes Verständnis von Frieden vermitteln, als es die meisten modernen Weltanschauungen zusammen auf die Waage bringen.

Idealisten gab es schon immer – auch schon vor eintausend Jahren

Im Sri Vidyarnava etwa, einer etwa 800 Jahre alten tantrischen Schrift aus der Sri-Vidya-Tradition, werden 18 Kategorien von Frieden aufgezählt, die sich bei genauerer Betrachtung anhören, als entstammten sie dem gesammelten Handbuch aller idealistischen Strömungen der Welt, angefangen von der Hippie-Bewegung der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts, bis zur  heutigen FridayforFuture-Bewegung. Und das sage ich bewundernd, denn ich war schon immer Idealist – und offensichtlich gab es schon vor hunderten und tausenden von Jahren genügend Idealisten, die nach mehr strebten, als gerade da war.

Und sollten wir das nicht alle auch tun? Nach mehr Positivem streben, als momentan da ist? – Und zwar nicht nur jetzt, wenn “positiv zu sein” schon wieder missverstanden werden kann, sondern immer – das ganze Leben lang – in der Pandemie, wie nach der Pandemie. Wie würde die Welt aussehen, wenn wir alle nach Frieden streben würden? – Es müsste ja nicht einmal “derselbe” Frieden sein. Denn es gibt ja für jede, jeden und jedes einen Frieden, nachdem sie, er oder es streben kann.

Hier kommen wir wieder zu den 18 Kategorien des Friedens aus dem Sri Vidyarnava. Und es wird Zeit, diese aufzuzählen. Und hier kommt gleich eine Frage an den Idealisten in Dir liebe Leser*in: Welche Kategorien sprechen Dich besonders an?

Die 18 Kategorien des Friedens

  1. Vaishnavi – ein gesellschaftliches Klima, in der wir Stabilität, Nährung, Sicherheit, Geborgenheit und Schutz finden.
  2. Aindri – eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der wir den Gesetzen der Natur in Respekt folgen.
  3. Brahmi – eine gesellschaftliche Weltsicht, die von einer hochentwickelten Intelligenz und Weltanschauung geprägt ist.
  4. Raudri – ein gesellschaftliches Klima frei von Ärger, Angst und Gewalt.
  5. Vayavya – eine Umwelt und Gesellschaft, die von den friedvollen Eigenschaften des Windes genährt werden.
  6. Varuni – eine Umwelt und Gesellschaft, die durch die friedvollen Eigenschaften des Wassers genährt werden.
  7. Kauberi – ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Klima, das der Schöpfung und gerechten Verteilung von Wohlstand förderlich ist.
  8. Bhargavi – eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der Wohlstand, Ästhetik und Vergnügen ausgeglichen sind.
  9. Prajapatya – eine soziale und familiäre Kultur, in der das Band zwischen Nachkommenschaft und Elternschaft, Kindern und Eltern, ungetrübt, belastbar und unerschöpflich ist.
  10. Tvastri – eine soziale und wirtschaftliche Atmosphäre, die dem Aufbau und der Produktion förderlich sind.
  11. Kaumari – eine gesellschaftliche Atmosphäre, die der Unschuld, Reinheit und Einfachheit förderlich ist.
  12. Agneyi – eine Umwelt und Gesellschaft, die von den friedvollen Funktionen des Feuers genährt wird.
  13. Marudgana – eine Atmosphäre – meteorologisch wie gesellschaftlich – die frei von neunundvierzig verschiedenen Formen von Stürmen ist.
  14. Gandharvi – ein soziales und wirtschaftliches Klima, das den schönen Künsten und dem kreativen Ausdruck förderlich ist.
  15. Nairitaki – eine Umwelt und gesellschaftliche Atmosphäre, die frei von Armut und Krankheit ist.
  16. Angirasi – ein soziales, familiäres und persönliches Klima, das für spirituelle Praktiken und persönliche Erfüllung förderlich ist.
  17. Yamya – eine Klima frei von Angst vor dem Tod.
  18. Parthavi – eine Atmosphäre frei von irdischen Unruhen und Chaos.

Quelle: verschiedene Vorträge, Artikel und Buchbeiträge von Pandit Rajmani Tigunait.

Kannst Du die leuchtende Welt vor Deinem Auge erstehen lassen, in der die 18 Kategorien des Friedens verwirklicht sind? Eins wird mir beim Lesen klar: Wir leben weit entfernt von dieser idealen friedlichen Welt. Aber vielleicht geht es Dir wie mir und du fühlst Dich von einigen dieser Kategorien besonders angesprochen. – Ist es so? – Na, dann ist es Zeit, einen Schritt weiter zu gehen. Denn wir alle haben es gemeinsam und einzeln in der Hand, diese Kategorien zu verwirklichen. Jeden Tag und zu jeder Zeit.

Welcher Frieden ist “Dein Frieden”?

Die Frage ist also: Zu welchem Frieden kann ich – kannst Du – können wir heute beitragen? Wir können vielleicht nicht die ideale Welt erschaffen – schon gar nicht im partiellen Lockdown. Aber der Lockdown hindert uns noch lange nicht daran, an einer idealeren, friedlichen Welt einzeln und gemeinsam zu bauen – indem wir bewusst handeln und den Idealen des Friedens aus der fast unerschöpflichen Liste oben folgen, die uns anspricht. Und damit meine ich jetzt nicht, auf der Straße oder im Internet gegen etwas zu demonstrieren, das uns den vermeintlichen Frieden raubt. Damit meine ich, etwas zu einer Welt beizutragen, das zunächst mal dazu beiträgt, dass wir gemeinsam mit anderen Frieden finden – eben nicht nur für unser kleines Ego, das sich momentan vielleicht besonders eingezwängt vorkommt und dementsprechend rebellisch bemerkbar macht.

Eines fällt vielleicht auf: Das Wort “ich” spielt in der Liste der 18 Kategorien des Friedens keine offensichtliche Rolle. Doch ganz oft findet man direkt oder indirekt das “Wir”. Vielleicht geht es genau darum beim Frieden: Ohne die anderen in den Frieden mitzunehmen, werden wir keinen Frieden finden!

In diesem Sinne wünsche ich diese Woche uns allen, das wir – jeder für sich – die Kategorien finden zu denen wir als strahlendes Licht positiv beitragen können. Dann entsteht selbst in dunkler Zeit – Stück für Stück – eine bessere Welt, hier und jetzt und nicht erst dann und dann …

Ein herzliches Om Shanti und alles Liebe.

Euer

Michael

 

 

 

Michael Nickel
Michael Nickel

Dr. Michael Nickel ist Entrepreneur, Autor, Gründer-Verleger des Agni Verlags, Naturwissenschaftler, Berater, sowie Yoga- und Meditationslehrer. Wenn er nicht gerade die Wunder der Welt erkundet, lebt und wirkt er in Stuttgart. Sein Interesse gilt der Kunst des guten und freudvollen Lebens und allem, was damit zusammen hängt, philosophisch und praktisch. Michael ist langjähriger Schüler von Rod Stryker und der erste Parayoga Level 2 Lehrer in Europa. Er unterrichtet atemzentrierte Asana-Sequenzen (im Sinne von Viniyoga). Durch seinen Lehrer Pandit Rajmani Tigunait wurde er in den Samaya-Pfad (inneren Pfad) der Sri-Vidya-Tradition der Meister des Himalayas eingeweiht. Aus diesem Hintergrund seiner eigenen Praxis heraus unterrichtet er auch seine Meditations- und Yoga-Nidra-Stunden. Alle Stunden und Kurse mit Michael auch online: www.santosha-yoga.de

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