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Schlagwortarchiv für: Yoga-Philosophie

Pandit Rajmani Tigunait

Den Kreislauf der Gewalt durchbrechen – Die Ursprünge der Gewalt und die Macht der Gewaltlosigkeit

2022/23 Winter, Buchauszug, Weisheit der Tradition
Kampf, KriegHasan Almasi/Unsplash CC0
Lesedauer 7 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Ein Blick auf unsere gewalttätigen Tendenzen

Wenn gewaltfreie Instinkte von negativen, gewalttätigen Kräften überlagert werden, wird ein Mensch noch weitaus gefährlicher als alle Kreaturen in der Wildnis. Glücklicherweise kommt so etwas relativ selten vor – nur ein Bruchteil der Menschheit verkrüppelt die eigenen menschlichen Tugenden, indem es die gewalttätigen Tendenzen des inneren Tieres nährt. Gewalt ist eine Anomalie, und alle Gesellschaften haben Methoden, um offenkundig gewalttätige Individuen vom Rest von uns zu isolieren.

Der Mensch ist im Normalfall nicht gewalttätig. Selbst das Verletzen oder Töten unserer Feinde vermeiden wir üblicherweise. Und doch treffen andere diese Entscheidungen in unserem Namen. Die Frage ist: Wer sind diese anderen? Sind sie wirklich so anders als wir? Sind sie nicht unsere Vertreter? Als unsere Vertreter müssen sie in gewisser Weise das vertreten, was wir fühlen. In gewisser Weise sind wir alle in Gewalt verwickelt. In gewisser Weise suchen wir sie und haben Freude an ihr, sonst wären Krieg und Blutvergießen nicht so weit verbreitet.

Gewalt kann nicht abgeschafft werden, indem man jemand anderem die Schuld zuschreibt. Wir können sie nur beenden, indem wir unsere eigenen Gedanken und Gefühle durchleuchten. Wir Menschen sind Meister der Selbsttäuschung. Um nicht auf die Stimme unseres eigenen Herzens zu hören, um die Last der Schuld zu verringern und um unsere unmenschlichen Taten zu rechtfertigen, finden wir großartige und distanzierende Worte, um unser Handeln zu beschreiben. So verwenden wir beispielsweise das Wort „Opfer“, um einen verstümmelten oder getöteten Menschen zu bezeichnen. Psychologen zufolge erlauben uns solche Worte, uns mit Beschreibungen von Gewalt zu arrangieren. Die Begriffe „Kollateralschaden“ und “ Bombenteppich“ sind weitere Beispiele. Diese Begriffe werden verwendet, um die Fakten zu beschönigen, damit die Zivilbevölkerung nicht in Panik gerät und ein Ende der Gewalt fordert. Weiterlesen

23. März 2022/von Pandit Rajmani Tigunait
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/03/Krieg-hasan-almasi-OwqLxCvoVxI-unsplash.jpg 1600 2400 Pandit Rajmani Tigunait https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Pandit Rajmani Tigunait2022-03-23 17:49:252026-05-04 11:32:29Den Kreislauf der Gewalt durchbrechen – Die Ursprünge der Gewalt und die Macht der Gewaltlosigkeit
Irene (Aradhana) Petryszak

Nichts und niemanden verletzen: Die Kunst von Ahimsa

Weisheit der Tradition
Priscilla du Preez7Unsplash CC0
Lesedauer 6 Minuten

Von Aradhana Petryszak

Ahimsa (Gewaltlosigkeit) – der erste und wichtigste der fünf Yamas (Selbst-Beschränkungen), die im Yoga Sutra beschrieben werden – fordert uns auf, so zu leben, dass wir keinem Lebewesen in Gedanken, Worten oder Taten Schaden zufügen. Das gilt auch für uns selbst! In seiner reinen Form ist Ahimsa der spontane Ausdruck der höchsten Form der Liebe – eine bedingungslose positive Wertschätzung für jeden und alles.

Wenn unser Leben gut läuft, scheint es leicht zu sein, Ahimsa zu praktizieren. Aber wenn sich Stress und Angst auftürmen, verflüchtigen sich unsere besten Absichten, wie ich vor vielen Jahren auf dramatische Weise erfahren habe. Eines Tages, als ich frisch verheiratet war, wurde mein Mann wütend und nannte mich dumm. Ich wurde so wütend, dass ich rot sah und den Sinn für alles um mich herum verlor. Blind griff ich nach dem erstbesten Gegenstand, der mir in die Hände fiel (in diesem Fall ein Buch mit festem Einband) und warf es ihm an den Kopf. Zum Glück hat er sich geduckt. Es dauerte einen Moment, nachdem das Buch gegen die Wand geknallt war, bis ich wieder zu mir kam und mir bewusst wurde, dass ich es geworfen hatte. Als ich wieder normal atmen konnte, war ich fassungslos. Schließlich praktizierte ich Yoga und griff nicht einfach Leute an. Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ich die verrückte Art und Weise, wie mein Mann mit mir sprach, nicht ändern konnte, aber ich konnte die Art und Weise ändern, wie ich reagierte.

Indem wir unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen und ihre Folgen beobachten, können wir lernen, innezuhalten, durchzuatmen und uns neu zu orientieren.

Nach diesem Vorfall begann ich zu beobachten, was passierte, wenn mein Temperament aufflammte, und erkannte, dass ich mir selbst als Erstes Schaden zufügte. Ich merkte, wie sich alles – mein Körper, mein Atem, meine Gedanken – verkrampfte und unruhig wurde. Ich verlor meine Mitte. Ich wurde ohnmächtig und Gegenstände flogen. Die Weisen sagen, dass wir zuerst in uns selbst Frieden finden müssen, um ein friedliches, harmonisches Umfeld zu Hause, am Arbeitsplatz oder in unserer Gemeinschaft zu schaffen. Das ist ein Prozess. Indem wir unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen und ihre Folgen beobachten, können wir lernen, innezuhalten, tief durchzuatmen und uns neu zu orientieren. Wenn wir uns zurückziehen und beobachten, können wir uns entscheiden, auf eine neue, liebevollere und akzeptierende Weise zu reagieren. Weiterlesen

23. März 2022/von Irene (Aradhana) Petryszak
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/03/priscilla-du-preez-VzqEavUGnss-unsplash.jpg 1594 2400 Irene (Aradhana) Petryszak https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Irene (Aradhana) Petryszak2022-03-23 17:47:212026-05-04 11:32:42Nichts und niemanden verletzen: Die Kunst von Ahimsa
Michael Nickel

Frühjahr 2022:
Vom Mitleiden in das Mitfühlen kommen und daraus Stärke ziehen, die Welt besser zu machen

Zeitpunkt
Satosha Media Dr. Michael Nickel
Lesedauer 10 Minuten

Von Michael Nickel

Wenn ich derzeit mit Familie, Freunden und Bekannten spreche, kommt immer wieder ein Thema hoch: Der ungeheure, menschenverachtende Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Gefühle von Ohnmacht, Wut und Trauer, mit denen viele derzeit kaum zurecht kommen. Das in unseren Medien nahezu in Echtzeit übertragene grausame Kriegsgeschehen und vor allem das unermessliche Leid der vielen Menschen, die weltweit direkt oder indirekt von diesem Krieg betroffen sind, macht uns anscheinend kollektiv fertig. Das Schicksal und Leid der unzähligen traumatisierten Flüchtenden rührt unser Herz an und hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Doch gleichzeitig bringen viele zum Ausdruck, dass es ihnen nahezu unmöglich ist, eine innere Distanz zu diesem Geschehen zu bekommen.

Es mag zunächst seltsam klingen, sich innerlich von den Geschehnissen der Wellt zu distanzieren. Das klingt nach Kaltherzigkeit, nach Kopf in den Sand stecken, nach Rückzug von der Realität. Doch ist es das wirklich, wenn wir innerlich einen Schritt zurücktreten? – Nicht unbedingt, zumindest nicht, wenn wir dies im konstruktiven Sinne betreiben. Sind wir doch mal ehrlich zu uns selbst: Was viele von uns momentan fühlen ist Mitleid im wörtlichsten Sinne – wir leiden selber, weil wir nicht aushalten können, zu sehen, dass andere Menschen leiden. Wir leiden, weil wir nicht aushalten können, zu sehen, wozu andere Menschen in der Lage sind. Wir leiden kollektiv so stark, dass der Schmerz schon beinahe greifbar ist.

Was entsteht aus Schmerz?

Aus Schmerz entstehen Angst und Wut, wenn wir den Schmerz nicht heilen können. Aus Angst und Wut entsteht eine tiefe Aggression, die nur weitere Aggressionen nach sich zieht. Aufrüstung, mehr Waffen, mehr Mauern, mehr Konflikte, mehr leidende Menschen, mehr Mitleiden … Wir drehen uns dabei im Kreis, im Großen, wie im Kleinen. Was ist also der Ausweg? Weiterlesen

23. März 2022/von Michael Nickel
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/03/20220223_135745-169.jpg 1350 2400 Michael Nickel https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Michael Nickel2022-03-23 16:40:382026-05-04 11:33:38Frühjahr 2022:
Vom Mitleiden in das Mitfühlen kommen und daraus Stärke ziehen, die Welt besser zu machen
Michael Nickel

Innere und äußere Fülle in Dein Leben einladen

Gedankenfutter
Nüsse, Ernte, FülleMaksim Shutov / Unsplash CC0
Lesedauer 5 Minuten

Von Michael Nickel

Wie kommt eigentlich Fülle in unser Leben? Diese Frage hört sich einfach an, ist aber bei genauerer Betrachtung gar nicht so einfach zu beantworten. Dafür gibt es viele Gründe. Es beginnt schon damit, dass wir vielleicht gar nicht so genau wissen, was wir eigentlich als Fülle in unserem Leben ansehen und was als Mangel. Es ist immer einfach, die momentane Situation zu betrachten. Spontan fällt den meisten dann so einiges ein, was im Leben fehlt. Geht es Dir auch so? – Doch was ist eigentlich mit dem, was bereits da ist? Sind wir uns der Fülle und dem erfüllenden Gefühl dessen bewusst, was gerade im Augenblick vorhanden ist? Ist es nicht so, dass wir in unserem Streben nach dem, was wir als fehlend empfinden, völlig vergessen, das zu sehen, was bereits da ist? Weiterlesen

28. September 2021/von Michael Nickel
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/09/Nuesse-maksim-shutov-pUa1On18Jno-unsplash.jpg 1600 2400 Michael Nickel https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Michael Nickel2021-09-28 12:14:152026-05-04 11:36:08Innere und äußere Fülle in Dein Leben einladen
Swami Rama

Was ist Dharma?

Weisheit der Tradition
Herz und HändeTim Marshall / Unsplash CC0
Lesedauer 6 Minuten

Von Swami Rama

Dharma war zu allen Zeiten eine große Kraft, um die Menschheit zu beflügeln. Dharma kann uns heute genauso helfen wie in alten Zeiten, aber nur, wenn wir anfangen, die Wahrheit zu leben und nicht nur an sie zu glauben. Wenn wir uns vom Dharma abwenden und uns von der Wahrheit distanzieren, raubt uns das den Seelenfrieden und führt zu Elend. In der Dharma-Praxis wird uns geraten, den Schleier der Unwissenheit abzulegen und Wahrhaftigkeit in unseren Gedanken, Worten und Handlungen zu praktizieren.

Das Wort Dharma hat mehrere Bedeutungen. Nach Ansicht einiger Gelehrter ist die Ausführung von Handlungen Dharma. Nach Ansicht anderer sind Handlungen, die allein durch Rechtschaffenheit aufrechterhalten werden, Dharma. Gemäß der Bhagavad Gita hat das Karma oder die Handlung Brahman (höchste Wahrheit) als Ursprung. Das bedeutet, dass wir Brahman erlangen können, wenn wir unsere Handlungen richtig ausführen. Jede Handlung kann ein Teil des Dharma werden, solange sie auf die Wahrheit ausgerichtet ist. Dharma bezieht sich auf das, was die Menschheit aufrechterhält, stützt und schließlich zu den erhabenen Höhen weltlicher und spiritueller Herrlichkeit führt. Weiterlesen

21. September 2021/von Swami Rama
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/09/Herz-tim-marshall-cAtzHUz7Z8g-unsplash.jpg 1600 2400 Swami Rama https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Swami Rama2021-09-21 17:55:212026-05-04 11:37:02Was ist Dharma?
Swami Rama

Vom Alleinsein und dem All-im-Einem-Sein

Buchauszug, Weisheit der Tradition
Himakamal - Schneelotus weißMichael Nickel / Santosha Media
Lesedauer 6 Minuten

Von Swami Rama

Buchauszug aus seinem Buch
“Mein Leben mit den Meistern des Himalayas – Erfahrungen eines modernen Weisen und Yogi“

In meinen jungen Jahren streifte ich gewöhnlich durch die Berge. Morgens bestieg ich die Berggipfel in fünf bis acht Kilometern Ent­fernung von der Klause, in der ich mit meinem Meister lebte. Ausgerüstet war ich mit einem langen Stab, der mir beim Klettern half und ich hatte das Tagebuch und einige wenige Stifte bei mir. Nach dem 15. September beginnt es im Himalaya zu schneien. Doch ich unternahm weiterhin ausgiebige Streifzüge zu den umliegenden Berggipfeln und sang dabei die Hymnen der göttlichen Mutter. Von Zeit zu Zeit kam mir der Gedanke, dass mein Leben denen gehörte, die unserer Tradition folgen. Ich scherte mich nicht um meine Individualität, aber ich war mir der Tradition der Weisen, der ich folgte, immer bewusst. Obwohl ich die Disziplin viele Male gebrochen habe und aufsässig war, wurde mir stets vergeben. In dieser Phase wurden mir etliche tiefgründige psychologische und spirituelle Erfahrungen zuteil. Manchmal war mir wie ein König zumute, jedoch unge­achtet der Bürde einer Krone auf dem Kopf. Ohne menschliche Gesellschaft und Kommunikation zu sein, schenkte mir großen Frieden und Gelassenheit. Mir wurde klar, wie friedvoll die Natur ist. Sie stört nur diejenigen, die sich selbst stören, doch sie lehrt jene Weisheit, die ihre Schön­heit bewundern und wertschätzen. Das gilt besonders für den Himalaya.

Der Reichtum an Schönheit in der Blumenvielfalt im Himalaya

In diesen Bergen ist eine Vielfalt an Blumen zu finden. Wer poetisch veranlagt ist, könnte von den schneebedeckten Berggipfeln aus die mit Blüten übersäten Hänge als prächtige Blumensträuße wahrnehmen, in der Art wie sie ein ergebener Schüler seinem Gurudeva überreichen würde. Gewöhnlich saß ich in der Umgebung jener natürlichen Blumenrabatten und starrte in den Himmel, um ihren Gärtner zu suchen.

Unter all den Blumen, die in den Himalaya-Tälern wachsen, sind die Lilien und Orchideen die allerschönsten. Hunderte von Lilien-Varietäten blühen nach Ende des Winters und manchmal bis zum Beginn des ersten Schnees. Die Orchideen des Himalayas sind ungleich exquisiter als alle anderen Blumen. Die Bergkakteen erblühen unerwartet in der mondhellen Nacht. Sie scheuen die Sonnenstrahlen und vor Sonnenaufgang ziehen die Blütenblätter ihre Pracht zurück, um niemals wieder aufzugehen. Unter der großen Blumenvielfalt des Himalayas gibt es über ein­hundert­fünfzig Rhododendron-Varietäten. Die auffälligste Art ist blau und weiß. Rosa und rote Varianten sind häufig und es existiert eine andere Spielart, die vielfarbige Blütenblätter hat. Im Sommer sind oft ganze Täler mit Rhodo­den­dronblüten überzogen.

Die Lehre des Schneelotus: Ganz alleine bedeutet »all im Einen«

Der König der Himalaya-Blumen aber ist der Himkamal oder »Schneelotus«, eine extrem seltene Pflanze. Eines Tages wanderte ich durch die Berge und sah ein einzelnes Exemplar so groß wie eine Untertasse, das zwischen zwei Steinen hervor wuchs und halb im Schnee begraben war. Ich sah diesen bezau­bernden Schneelotus an und in meinem Kopf entspann sich einen Dialog mit ihm. Ich fragte: »Warum bist du ganz alleine hier? Deine Schönheit ist dafür gemacht, bestaunt zu werden. Du solltest dich jemandem schenken, bevor deine Blütenblätter abfallen und wieder zu Staub werden.« Als eine Brise an seinem Stängel rüttelte, schüttelte er sich und beugte sich in meine Richtung, wobei er erwiderte: »Du denkst, ich bin einsam, so ganz alleine? Ganz alleine bedeutet »all im Einen«. Ich genieße diese Höhe, die Reinheit, den Schutz des blauen Schirms über mir.«

Ich wollte die Blüte pflücken und überlegte, die komplette Pflanze voll­ständig heraus zu ziehen und meinem Meister zu bringen. Ich verglich mein eigenes Leben mit diesem Lotus und sprach, wie ein unvernünftiges, freudiges Kind: »Was wird geschehen, wenn ich deine Blütenblätter zermal­me?« Der Schneelotus antwortete: »Ich werde froh sein, denn mein Duft wird sich überall hin ausbreiten und der Zweck meines Lebens wird erfüllt sein.«

Ich zog den Himkamal samt Wurzeln heraus und brachte ihn zu meinem Meister, doch er war nicht angetan davon. Er hatte es nie gemocht, Blüten und ihre Düfte zu nutzen, abgesehen von wenigen Gelegenheiten, in denen er mich anwies, Blüten aus dem Wald für Opfergaben zu sammeln. Das war das letzte Mal, dass ich je eine Blume gepflückt habe. Ich empfand, dass ich Mutter Natur dadurch beraubt hatte, dass ich ihr Kind aus ihrem Schoß entriss. Anmut ist dazu da, um sie zu bewundern, nicht um benutzt, besessen oder zerstört zu werden. Ästhetische Wahrnehmung entwickelt sich, sobald wir lernen, die Naturschönheiten wertzuschätzen.

Alleinsein im beständigen Fließen des Lebens

Um mein Bedürfnis zu befriedigen, alleine zu sein, wanderte ich hierhin und dorthin. Ich bewunderte die Natur, indem ich nichts weiter tat, als in ihr zu sein. Manchmal begab ich mich zu den Gletscherbächen hinunter, um den Kräuselwellen zuzusehen, die sich fortwährend kreuzten, während sie sich vorwärts bewegten. Die Flüsse und Bäche, die von den Gletscherhöhen strömten, sahen wie viele lange Haarlocken aus. Die Musik, die von solchen Gebirgsbächen erzeugt wird, ist reichlich beschwingend. Gewöhnlich ver­glich ich den Lebensstrom mit diesen ewig-strömenden Wasserläufen und beo­bachtete, wie Massen an Wasser, in Richtung Ozean fließend, doch kei­nen Leerraum hinterlassen. Die Strömung kehrt sich nie um, andere Wasser­massen schließen die Lücke. Eine immerwährende Kontinuität. Diese Flüsse sind wie das beständige Fließen des Lebens. Stundenlang konnte ich solche eiskalten Ströme betrachten, wie sie von den Gletschern und Wasser­fällen herunterflossen. In mondhellen Nächten glänzten Bäche wie Ufer gleicher­maßen wie Silber.

 

Das Buch von Swami Rama „Mein Leben mit den Meistern des Himalayas – Erfahrungen eines modernen Weisen und Yogi“ erschien 2018 als deutsche Neuübersetzung als Hardcover in Leinen-Einband im Agni Verlag. Du erhältst das Buch im Online-Shop des Agni Verlags, über unseren Amazon Verlagsshop oder im gutsortierten örtlichen Buchhandel. Die PDF Flipbook-Vorschau zu „Mein Leben mit den Meistern des Himalayas“ findest Du auf der Buchseite im Agni Verlag Webshop.

Die Bilder zeigen einen Schneelotus, dem der Gründer und Herausgeber des Agni Verlag 2019 am Berg Kailash begegnet ist.

21. September 2021/von Swami Rama
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/09/2019-08-12-16-36-06_S8_20190812_163606-2400.jpg 1350 2400 Swami Rama https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Swami Rama2021-09-21 17:45:172026-05-04 11:37:13Vom Alleinsein und dem All-im-Einem-Sein
Swami Rama

Den Atem kontrollieren, um den Geist zu kontrollieren

Buchauszug, Hilfreiche Übungen & Tipps, Praxistipp, Weisheit der Tradition
Freiheit - Atem - GeistDavid Troeger / Unsplash CC0
Lesedauer 5 Minuten

Von Swami Rama

Buchauszug aus seinem Buch
„Die Wissenschaft vom Atem – Eine praktische Einführung in Atmung, Atemachtsamkeit und Pranayama„

Das Sanskritwort Pranayama wird oft mit »die Wis­sen­schaft vom Atem« übersetzt, aber das ist eine begrenzte Interpretation. Pran­ayama bedeutet wörtlich »das Ayama (Erweiterung oder Mani­fes­ta­tion) von Prana (pra: erste Einheit; na: Energie)«. Prana ist die Le­bens­energie des Universums. Gemäß einer der Schulen der indischen Philosophie wurde das gesamte Universum aus Akasha (Raum) durch die Energie des Pranas projiziert. Akasha ist das unendliche, allumfassende Material des Universums, und Prana ist die unendliche, all­durchdringende Energie der universellen kosmischen Energie. Alle verschiedenen Formen dieses Universums werden von ihm ge­tragen. Pranayama ist die Wissenschaft, die Wissen über die Kontrolle von Prana vermittelt.

Wer gelernt hat, Prana zu kontrollieren, hat gelernt, alle Energien dieses Universums zu kontrollieren – physisch und mental. Er hat damit zugleich gelernt, seinen Körper und Geist zu kontrollieren.

Der Geist steht wie eine Mauer zwischen uns und der Realität. Wenn wir mit den feineren Kräften, die Prana genannt werden, in Kontakt kommen, können wir lernen, unseren Geist zu kontrollieren, denn er ist fest mit Prana verbunden wie ein Drachen an einer Schnur. Wird die Schnur geschickt gehalten, so wird der Drachen, der sich hier und da hinbewegen will, gesteuert und fliegt in die gewünschte Richtung. Alle yogischen Atemübungen, ob fort­ge­schritten oder einfach, ermöglichen es uns, unseren Geist durch das Verständnis von Prana zu kontrollieren. So hilft uns die Wissen­schaft vom Atem, das Prana unter Kontrolle zu bringen, um die höheren Stufen der Spiritualität zu erreichen. Wer seinen Atem und sein Prana beherrscht, hat auch seinen Geist unter Kontrolle. Wer seinen Geist kontrolliert, hat auch seinen Atem unter Kontrolle. Weiterlesen

21. September 2021/von Swami Rama
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/09/Kite-Surfen-david-troeger-LRHB0TQiAeM-unsplash.jpg 1601 2400 Swami Rama https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Swami Rama2021-09-21 13:47:572026-05-04 11:38:12Den Atem kontrollieren, um den Geist zu kontrollieren
Swami Rama

Das heilige Feuer in Dir ist Guru, der innere Lehrer

2022 Sommer, Buchauszug, Weisheit der Tradition
Swami Rama - Meditation - Biographie - Zur elften Stunde - Agni Verlag 2021nHimalayan Institute USA/Agni Verlag
Lesedauer 6 Minuten

Von Swami Rama

Auszug einer Rede anlässlich von Guru Purnima, dem jährlichen Tag zu Ehren des Lehrers,
dokumentiert in seiner Biographie „Zur elften Stunde: Swami Rama„

Heute werde ich euch anlässlich von Guru Purnima erzählen, was ein ›Guru‹ ist. Die Menschen haben dazu viele falsche Ansichten. Das Wort Guru ist ein heiliges Wort. Tatsächlich verwenden wir dieses Wort nicht allein für sich. Es wird immer ergänzt durch Deva. Wir sagen immer Gurudeva. Das Wort Guru bezeichnet ›einen, der das Dunkel der Unwissenheit vertreibt‹. Gurudeva bedeutet ›göttliches Wesen, das leuchtende Sein, welches das Dunkel der Unwissenheit vertreibt‹. Gurudeva ist der eine, der in der innersten Kammer des Herzens wohnt und uns in allen Situationen und unter allen Umständen des Lebens führt. Er ist das innere Licht.

Viele Leute meinen, dass der Guru ein bestimmter Mensch sei. Das ist ein großer Fehler. Genauso wie ihr, ich und jedermann wird dieser menschliche Guru geboren und stirbt irgendwann, wogegen der ›Gurudeva‹ unsterblich ist. Er ist ungeboren und weder Tod noch Verfall oder Zerstörung unterworfen. Vom Beginn der Geschichte an haben die Menschen versucht, Führung zu erhalten von diesem Guru, von jenem Lehrer, Priester oder Swami. Doch bis heute hatten sie damit keinen Erfolg. Egal wie viele Bücher ihr lest und bei wie vielen Lehrern oder Priestern ihr lernt, nie werdet ihr vollkommen frei sein von euren Zweifeln und Ängsten. Solange ihr nicht frei seid von Zweifeln und Ängsten, könnt ihr euch nicht von ganzem Herzen euren Übungen zuwenden. Solange ihr nicht mit ganzem Herzen übt, könnt ihr keine direkte Erfahrung erlangen. Ohne direkte Erfahrung könnt ihr keine wirkliche Tröstung finden. Weiterlesen

24. Juli 2021/von Swami Rama
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/swami_rama_meditation_C_3_Agni_Verlag_16-9-web2400.jpg 1350 2400 Swami Rama https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Swami Rama2021-07-24 11:40:282026-05-04 11:39:17Das heilige Feuer in Dir ist Guru, der innere Lehrer
Swami Rama

Ein Mantra für Lebensfreude

Buchauszug, Weisheit der Tradition
Nick Fewings / Unsplash CC0
Lesedauer 4 Minuten

Von Swami Rama

Auszug aus seinem Buch „Mein Leben mit den Meistern des Himalayas„

Ein Mantra ist eine Silbe, ein Laut, ein Wort oder eine Wortfolge, zu Tage gefördert von den großen Weisen im Zustand tiefer Meditation. Es ist keine Sprache, in der Menschen sprechen. Diese Phoneme, die in einem überbe­wussten Zustand empfangen werden, führen den Sucher immer höher, bis er schließlich die vollkommene Stille erreicht. Je mehr sich das Bewusstsein er­weitert, umso tiefer offenbart das Mantra seine Bedeutung. Es öffnet den Zugang zu einer übergeordneten Bewusstseinsebene. Eine alt-ehrwürdige Tradition auszubeuten, indem man Mantras auf dem Markt verkauft, ist absurd.

Ein Mantra hat genau wie ein Mensch viele Hüllen: grobe, subtile, noch subtilere und die subtilsten. Nehmen wir zum Beispiel die Silbe AUM. Diese drei Buchstaben repräsentieren die drei Zustände des Wachens, Träumens und Schlafens – oder eben die drei Körper des Grobstofflichen, Feinstofflichen und des Subtilsten. Doch der vierte Zustand oder der subtilste Körper des Mantra ist formlos, lautlos und undefinierbar. Wenn ein Schüler den Prozess von Laya Yoga versteht, dann vermag er den formlosen Körper und das Über­bewusstsein des Mantra erkennen. Ein Mantra ist extrem machtvoll und essentiell, wie die kompakte Form eines Gebets. Wenn man es immerzu erinnert, wird es ein Lotse. Weiterlesen

29. Juni 2021/von Swami Rama
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/06/Freude-nick-fewings-WqO0As9Od8U-unsplash.jpg 1600 2400 Swami Rama https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Swami Rama2021-06-29 16:08:172026-05-04 11:41:33Ein Mantra für Lebensfreude
Michael Nickel

Sommer 2021 –
innere Leichtigkeit in der eigenen Spiritualität im Alltag

Zeitpunkt
Schaukel SommerRaimond Klavins /Unsplash CC0
Lesedauer 13 Minuten

Von Michael Nickel

Der Sommer ist da! Hurra! – wie jede Jahreszeit hat der Sommer seinen eigenen Charme und er bietet vielen verschiedenen Vorlieben etwas. Sei es für alle Frühaufstehenden ein herrlich kühler, lichter Morgen für einen Spaziergang im Morgentau oder eine Yoga- und Meditationspraxis auf der Terrasse oder im Garten – ein bruzzel-heißer, sonniger Nachmittag im Liegestuhl oder auf dem Strandtuch für alle Sonnenanbetenden – oder für alle Lang-Tschillenden eine laue, lang andauernde blaue Stunde in der Hängematte mit gutem Lesestoff oder auf Terrasse, Balkon, auf dem Rooftop oder im Park mit guten Freunden bei einem geselligen Gespräch.

Diese Vielfalt an Situationen und Anknüpfungspunkten ist es wohl, dass die überwiegende Mehrzahl von uns den Sommer liebt. Wir alle finden etwas, woran wir uns laben können. Ein Gefühl des „richtigen Seins“ mag sich in uns ausbreiten. In anderen Worten: Die Welt entspricht (weitgehend) unseren Vorstellungen. Das Interessante dabei ist, dass dies nicht mal den ganzen Tag so sein muss, es reichen uns diese paar Stunden am Tag, in denen alles seinen Platz findet und sich zu einem Puzzle zusammensetzt, dessen Gesamtheit unserer Weltsicht entspricht – ohne Reibungen, ohne Ecken und Kanten, alles im Fluss. Weiterlesen

22. Juni 2021/von Michael Nickel
https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2021/07/Schaukel-Sonne-raimond-klavins-_GWMjdDBrpI-unsplash.jpg 1600 2400 Michael Nickel https://agni-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/05/Agni-Magazin-Logo-Schrift-017309ff.png Michael Nickel2021-06-22 12:00:552026-05-04 11:42:52Sommer 2021 –
innere Leichtigkeit in der eigenen Spiritualität im Alltag
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Aktueller Vollmondtext

  • Vollmond April/Mai 2026 – Den wahren Reichtum im Leben finden28. April 2026 - 20:32

Inhalt Edition 11

  • Zeitpunkt Edition 11:
    Meditation verändert unseren Blickwinkel und unser Handeln
    3. Mai 2023 - 19:32
  • Vier Wege, um deine Meditation zu verbessern24. April 2023 - 15:55
  • Meditation ist nicht das, was Du denkst!24. April 2023 - 15:05
  • chelsea-gates / unsplash cc0
    Meditation: Die universelle Wissenschaft für innere Heilung24. April 2023 - 14:13
  • Yoga Sutra: Das zeitlose Handbuch für innere Entfaltung24. April 2023 - 13:37
  • Was ist Mauna oder die Praxis der Stille? – Hintergründe und Tipps für die Praxis24. April 2023 - 13:19
  • BergketteJerry Zhank / Unsplash CC0
    Was ist Sri Vidya? In welchem Verhältnis steht diese Philosophie zur Himalaya-Tradition?24. April 2023 - 12:59
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