Beiträge

Von Swami Rama

Buchauszug aus seinem Buch
Die Wissenschaft vom Atem – Eine praktische Einführung in Atmung, Atemachtsamkeit und Pranayama

Das Sanskritwort Pranayama wird oft mit »die Wis­sen­schaft vom Atem« übersetzt, aber das ist eine begrenzte Interpretation. Pran­ayama bedeutet wörtlich »das Ayama (Erweiterung oder Mani­fes­ta­tion) von Prana (pra: erste Einheit; na: Energie)«. Prana ist die Le­bens­energie des Universums. Gemäß einer der Schulen der indischen Philosophie wurde das gesamte Universum aus Akasha (Raum) durch die Energie des Pranas projiziert. Akasha ist das unendliche, allumfassende Material des Universums, und Prana ist die unendliche, all­durchdringende Energie der universellen kosmischen Energie. Alle verschiedenen Formen dieses Universums werden von ihm ge­tragen. Pranayama ist die Wissenschaft, die Wissen über die Kontrolle von Prana vermittelt.

Wer gelernt hat, Prana zu kontrollieren, hat gelernt, alle Energien dieses Universums zu kontrollieren – physisch und mental. Er hat damit zugleich gelernt, seinen Körper und Geist zu kontrollieren.

Der Geist steht wie eine Mauer zwischen uns und der Realität. Wenn wir mit den feineren Kräften, die Prana genannt werden, in Kontakt kommen, können wir lernen, unseren Geist zu kontrollieren, denn er ist fest mit Prana verbunden wie ein Drachen an einer Schnur. Wird die Schnur geschickt gehalten, so wird der Drachen, der sich hier und da hinbewegen will, gesteuert und fliegt in die gewünschte Richtung. Alle yogischen Atemübungen, ob fort­ge­schritten oder einfach, ermöglichen es uns, unseren Geist durch das Verständnis von Prana zu kontrollieren. So hilft uns die Wissen­schaft vom Atem, das Prana unter Kontrolle zu bringen, um die höheren Stufen der Spiritualität zu erreichen. Wer seinen Atem und sein Prana beherrscht, hat auch seinen Geist unter Kontrolle. Wer seinen Geist kontrolliert, hat auch seinen Atem unter Kontrolle. Weiterlesen

Von Michael Nickel

Der Sommer ist da! Hurra! – wie jede Jahreszeit hat der Sommer seinen eigenen Charme und er bietet vielen verschiedenen Vorlieben etwas. Sei es für alle Frühaufstehenden ein herrlich kühler, lichter Morgen für einen Spaziergang im Morgentau oder eine Yoga- und Meditationspraxis auf der Terrasse oder im Garten – ein bruzzel-heißer, sonniger Nachmittag im Liegestuhl oder auf dem Strandtuch für alle Sonnenanbetenden – oder für alle Lang-Tschillenden eine laue, lang andauernde blaue Stunde in der Hängematte mit gutem Lesestoff oder auf Terrasse, Balkon, auf dem Rooftop oder im Park mit guten Freunden bei einem geselligen Gespräch.

Diese Vielfalt an Situationen und Anknüpfungspunkten ist es wohl, dass die überwiegende Mehrzahl von uns den Sommer liebt. Wir alle finden etwas, woran wir uns laben können. Ein Gefühl des “richtigen Seins” mag sich in uns ausbreiten. In anderen Worten: Die Welt entspricht (weitgehend) unseren Vorstellungen. Das Interessante dabei ist, dass dies nicht mal den ganzen Tag so sein muss, es reichen uns diese paar Stunden am Tag, in denen alles seinen Platz findet und sich zu einem Puzzle zusammensetzt, dessen Gesamtheit unserer Weltsicht entspricht – ohne Reibungen, ohne Ecken und Kanten, alles im Fluss. Weiterlesen

Von Rolf Sovik

Wie helfen uns Yoga, Meditation, Atemübungen und Entspannung dabei, zu heilen? Dies ist ein weites Thema, und wir werden es aus vielen Blickwinkeln betrachten, wenn wir uns durch diese mehrteilige Serie bewegen: Yoga als Heilkunst. Heilung ist ein Kernelement sowohl der Yoga-Philosophie als auch der Yoga-Praxis. Tatsächlich ist Heilung etwas, das wir alle anstreben, auch wenn wir es nicht immer erkennen – wir alle wollen körperlich, geistig und emotional gesund sein, und viele von uns streben auch das an, was wir Heilung auch auf der spirituellen Ebene nennen könnten. Weiterlesen

Von Michael Nickel

Freust Du Dich auch so sehr über die Blüten, die uns die Natur im Frühjahr schenkt? – Das Frühjahr ist die Zeit des Aufblühens und des Neuanfangs, nachdem sich im Spätherbst und Winter der überwiegende Teil der Natur zurückgezogen hat und in die Ruhe gegangen ist. Bildlich gesprochen möchten wir Menschen wohl alle gerne das Gefühl des Aufblühens und des dauerhaften Blühens in unserem Leben haben. Doch nicht immer ist das der Fall. Nicht immer gelingt es uns, die Rahmenbedingungen dafür zu finden oder zu schaffen. Oft scheinen äußere Umstände dagegen zu stehen, die wir nicht beeinflussen können. Doch oft liegen jene Hindernisse, die unser Erblühen verhindern, in uns selbst, auch wenn dies nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist. Die Yoga-Philosophie spricht in diesem Zusammenhang von den Hindernissen oder Behinderungen auf unserem Yoga-Weg und Lebenspfad. Es ist als Konzept von Antaraya in Yoga Sutra 1.30 ausgeführt.

Antarayas nach Yoga Sutra
  • Krankheit
  • mentale Trägheit
  • Zweifel
  • Achtlosigkeit
  • Faulheit
  • Unfä­hig­keit, sich von Gelüsten der Sinne zurückzuziehen
  • Festhalten an falschem Verständnis
  • Unfähigkeit, Fortschritte zu erreichen
  • Unfähigkeit, den erreichten Fortschritt zu bewahren

Körperliche, mentale und emotionale Herausforderungen und Einschränkungen spielen in diesem Kontext wohl die herausragendste Rolle. Daher steht in Yoga Sutra 1.30 auch der Begriff der Krankheit oder des unausgewogenen Zustandes an erster Stelle. Dementsprechend ist das Beseitigen der Hindernisse, welche unserem Aufblühen im Wege stehen, oftmals – oder vielleicht sogar immer – ein Prozess der Heilung. Dies ist vielleicht nicht immer so offensichtlich, was vor allem daran liegt, wie wir im Deutschen heutzutage das Wort Heilung verwenden. Daher macht es unter Umständen mehr Sinn, in diesem Zusammenhang vom “heil werden” anstatt vom “heilen” zu sprechen, auch wenn es letztlich ein und dasselbe ist.

Was “Heilung” und “Heil sein” bedeutet

Das Wort Heilung steht stark im Spannungsfeld von “evidenzbasierter Medizin” und “alternativen Heilmethoden” und es existieren gar gesetzliche Vorgaben zum Umgang mit “Heilversprechen”. Kein Wunder, dass wir in diesem Kontext weitgehend vergessen haben, dass das Wort Heilung in seiner Abstammung vom germanischen haila nicht nur “gesund”, sondern auch “ganz” im Sinne von “komplett” oder “vollständig” bedeutet. In anderen Worten, “heil sein” ist ein Zustand, in dem nichts fehlt. Heilen oder heil werden bedeutet dementsprechend, einen Zustand zu erreichen, in dem wir uns auf allen Ebenen komplett fühlen. Weiterlesen

Von Swami Rama

Buchauszug aus seinem Buch
Die Wissenschaft vom Atem – Eine praktische Einführung in Atmung, Atemachtsamkeit und Pranayama

Der wichtigste Aspekt der Atemkontrolle ist die Zwerchfellatmung. Der Durchschnittsmensch benutzt beim Atmen seine Brustmuskeln eher als sein Zwerchfell, und diese Atmung ist normalerweise flach, schnell und unregelmäßig. Infolgedessen werden die unteren Lung­en­lappen, die eine reichliche Blutversorgung erhalten, nicht aus­reich­end belüftet, sodass der Gasaustausch zwischen der Luft in der Lunge und dem Blut unzureichend ist. Atemphysiologen bezeichnen dies als eine Anomalie der Atemwegsperfusion. Bei der Zwerch­fell­atmung werden solche Ungleichgewichte zwischen Beatmung und Perfusion minimiert. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Zwerch­fellatmung vorteilhaft ist, da sie den in der Brusthöhle erzeugten Saugdruck erhöht und den venösen Rückfluss von Blut verbessert, wodurch die Belastung des Herzens reduziert und die Durchblutung verbessert wird.

Obwohl die Brustatmung für die meisten von uns inzwischen natürlich und unwillkürlich geworden ist, ist sie wirklich ein Teil des Kampf- und Fluchtsyndroms, welches ausgelöst wird, wenn der Or­ga­nismus durch äußeren Stress oder Gefahr herausgefordert wird. Aufgrund der Wechselwirkung zwischen Atem und Geist führt die Brustatmung wiederum zu der mit der Kampf- und Fluchtreaktion verbundenen Spannung und Angst. Bei der Brustatmung ist der Atem flach, ruckartig und unsicher, was zu einer ähnlichen Un­sicherheit des Geistes führt. Alle Techniken, die auf die Entspannung von Körper, Nerven und Geist abzielen, sind wirkungslos, es sei denn, die Brustatmung wird durch eine tiefe, gleichmäßige und stetige Zwerchfellatmung ersetzt.

Gleichmäßige Zwerchfellatmung wiederherstellen

Obwohl die Zwerchfellatmung einfach, leicht und vorteilhaft ist, muss die Gewohnheit, sie anzuwenden, bewusst gepflegt werden, bevor sie automatisch erfolgen kann. Eine einfache Praxis, dies zu erreichen, ist, auf dem Rücken auf einer Matte oder einem Teppich zu liegen, wobei eine Handfläche auf der Mitte der Brust und die andere auf der Unterkante des Brustkorbes liegt, wo der Bauch beginnt. Beim Einatmen sollte sich die Unterkante des Brustkorbes ausdehnen und der Bauch anheben. Beim Ausatmen sollte das Gegenteil eintreten. Es sollte relativ wenig Bewegung in der oberen Brust geben. Durch das Praktizieren dieser Übung werden Sie zu gegebener Zeit feststellen, dass die Zwerchfellatmung zur Gewohn­heit und automatisch wird.

Als Nächstes sollten Sie die Gewohnheit der harmonischen, rhythmischen Atmung zusammen mit der Zwerchfellatmung pfle­gen. Die Beobachtung der Atemfrequenz pro Minute sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen ist sehr therapeutisch und keineswegs schwierig. Die Atmung zwischen sechzehn und zwanzig Atemzügen pro Minute gilt als durchschnittlich, aber wenn sowohl die Ein- als auch die Ausatmung immer langsamer und glatter werden, wird die Atmung einfacher.

Darüber hinaus sind sich moderne Wissenschaftler bewusst, dass beim Einatmen Plasma aus den Kapillaren in die Alveolen eindringt (es kehrt während der Ausatmung wieder in den Kreislauf zurück), sodass eine Verlängerung der Einatmung die verfügbare Zeit für diesen Transfer erhöht. Deshalb sollten Sie zuerst lernen, Ihre Einatmung zu verlangsamen. Die rhythmische Zwerchfellatmung bringt auch mehr Luft und Sauerstoff in die Bronchien der Lunge und in den Blutkreislauf. Es erhöht die Rückführung von venösem (sauerstoffarmem) Blut in die Lunge und führt zu einer erhöhten Durchblutung der Kapillaren der Alveolen.

Die Zwerchfellatmung kann in einer stabilen Standhaltung, einer stabilen Sitzhaltung oder durch Liegen auf dem Rücken mit den Händen an den Körperseiten, Handflächen nach oben und leicht auseinander liegenden Beinen praktiziert werden – letztere Position wird als Shavasana oder die Totenhaltung bezeichnet. Die Ausatmung sollte durch die Nasenlöcher erfolgen, und es sollte kein Geräusch in der Atmung sein. Nach dem vollständigen Ausatmen beginnt die Einatmung. Die Pause wird minimiert, man atmet wieder durch die Nasenlöcher und macht keine Geräusche.

Übung: Makarasana (Krokodilhaltung)

Wenn Sie die Zwerchfellatmung im Sitzen nicht hinbekommen oder aus irgendeinem Grund nicht üben können, dann beginnen Sie in der Krokodilhaltung. Legen Sie sich auf den Bauch, legen Sie die Beine in einem angenehmen Abstand voneinander und richten Sie die Zehen nach außen. Falten Sie die Arme vor dem Körper und legen Sie die Hände auf den Bizeps. Positionieren Sie die Arme so, dass die Brust den Boden nicht berührt, und legen Sie die Stirn auf die Arme.

Diese Haltung ist ein hervorragendes Lehrmittel, denn sie er­möglicht es Ihnen, das Gefühl zu erleben, mit dem Zwerchfell zu atmen. Denn wenn Sie einatmen, spüren Sie, dass der Bauch gegen den Boden drückt, und wenn Sie ausatmen, spüren Sie, wie sich die Bauchmuskeln entspannen. So ist es einfach, die Bewegung der Membran in dieser Haltung zu bemerken.

Übung: Sandsack-Atmung

Diese Praxis wird die Bauch- und Zwerchfellmuskulatur stärken. Es wird auch dazu beitragen, die Bewegung der Lunge in Zusammen­arbeit mit der Bewegung der Muskeln des Zwerchfells zu regulieren. Legen Sie sich in Shavasana auf den Rücken, schließen Sie sanft Ihre Lippen und entspannen Sie Ihren Körper von Kopf bis Fuß. Beruhigen Sie Ihren Atem. Legen Sie nun vorsichtig einen zwei bis drei Kilogramm schweren Sandsack auf Ihren Bauch. Wenn Sie Herz­probleme, Lungenprobleme oder Blutdruckanomalien haben, legen Sie den Sandsack auf die Muskeln unter dem Nabel, aber stellen Sie sicher, dass kein Teil des Sandsacks vom Beckengürtel gestützt wird.

Schließen Sie die Augen und atmen Sie. Spüren Sie, wie der Sandsack beim Einatmen aufsteigt und beim Ausatmen fällt. Sie müssen sich bemühen, einzuatmen, aber die Ausatmung sollte mühe­los sein. Nach drei bis fünf Minuten nehmen Sie den Sandsack weg und entspannen sich noch ein paar Minuten auf dem Rücken.
Wenn Sie regelmäßig praktizieren, können Sie das Gewicht des Sandsacks alle zwei Wochen erhöhen. Aber tun Sie dies allmählich, bleiben Sie innerhalb Ihrer komfortablen Kapazität, und über­schreiten Sie nicht mehr als sieben bis acht Kilogramm.

Vorteile der Zwerchfellatmung

Die Zwerchfellatmung senkt die Atemfrequenz erheblich. Es ist die Grundübung, die man praktiziert, um die höheren Praktiken zu erreichen, und Nutzen aus der Wissenschaft des Atems zu ziehen. Die Atmung von Luft in die tiefen Bereiche der Lunge ist in jeder Hinsicht gesund. Da der Herzbeutel am Zwerchfell befestigt ist, bewirkt der Prozess der tiefen Atmung, dass das Zwerchfell sich senkt und das Herz nach unten in Richtung Bauch gestreckt wird. Wenn die Lungen von unten nach oben mit Luft gefüllt sind, drücken sie sich zusammen und massieren das Herz sanft. Während sich das Zwerchfell zusammenzieht, und entspannt, massiert es auch Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse und hilft, die Funktionen von Milz, Magen, Dünndarm und Bauch zu verbessern.

Wenn die Praxis der rhythmischen Zwerchfellatmung mindestens zwei Monate lang zehnmal täglich durchgeführt wird, mit all­mählicher und gleichmäßiger Verlängerung der Ein- und Ausatmung, erlebt der Körper ein Gefühl der tiefen Entspannung und Ruhe – erholsamer als der tiefste Schlaf. Man bleibt frei von dem Stress und der Anstrengung, die die Ursache für viele körperliche und psychosomatische Krankheiten ist. Die Nerven werden ruhig sein, und die Stimme und das Gesicht werden Gelassenheit ausstrahlen.

 

Das Buch von Swami Rama “Die Wissenschaft vom Atem – Eine praktische Einführung in Atmung, Atemachtsamkeit und Pranayama” erschien 2019 als deutsche Neuübersetzung als Softcover im Agni Verlag. Du erhältst das Buch im Online-Shop des Agni Verlags, über unseren Amazon Verlagsshop oder im gutsortierten örtlichen Buchhandel. Die PDF Flipbook-Vorschau zu “Die Wissenschaft vom Atem” findest Du auf der Buchseite im Agni Verlag Webshop.

 

 

Von Michael Nickel

Wir leben in wahrlich schrägen Zeiten! Mitten in der Pandemie, die für jeden Herausforderungen mit sich bringt, und manche an den Rand von psychisch und/oder ökonomisch Ertragbaren führt, entspinnt sich in den sozialen Medien und in etlichen spirituell geprägten Webseiten und Blogs eine Diskussion, die mit dem positiven Denken und den positiven Wirkungen von Meditation und Co hart ins Gericht geht. Und wie beinahe immer stammt der Trend dazu aus den USA, wo sich die spirituelle Szene in den letzten Monaten durch Pandemie, zunehmenden Rassismus und die Ereignisse rund um die Präsidentschaftswahl noch stärker polarisiert hat als hierzulande. Dennoch ist der Tenor oft derselbe und er wird durch viele Beiträge in den sozialen Medien weitergetragen. Der Vorwurf lautet, dass viele, die inmitten der Krise positives Denken propagieren, zu gut neudeutsch “spiritual bypassing” betreiben und “toxic positivity” verbreiten.

Im letzten Jahr ist über diese Phänomene auch in Deutschland viel diskutiert worden, doch leider oft, ohne die Kinder bei ihrem deutschen Namen zu nennen: Schauen wir es doch einmal nüchtern an. Das, was als “spiritual bypassing” bezeichnet wird, ist nichts anderes als Weltflucht und “toxic positivity” ist irrationale Schönfärberei. Beides sind Themen, die es schon immer gab und sie betreffen nicht nur die spirituelle Szene, sondern sind – wie auch die “Schwarzmalerei” – menschliche Tendenzen, die wir in der einen oder anderen Form zu jeder Zeit in unserer Gesellschaft finden. Das positive Denken, welches in den Yoga-Traditionen propagiert wird und wie es etwa von Swami Sivananda, Swami Rama und anderen in den Westen getragen wurde, hat jedoch wenig mit Weltflucht oder Schönfärberei zu tun. Vielmehr wird das positive Denken im Yoga als psychologisches Hilfsmittel benutzt, um inneren und äußeren Widerständen und Herausforderungen konstruktiv zu begegnen. Weiterlesen

Von Michael Nickel

Am Anfang steht ein Geständnis: Ich bin Schokoholiker. Oder sollte ich heute besser sagen, ich war es? Oder, ich bin ein trockener Schokoholiker? Wer weiß. Was ich jedoch weiß: heute geht es hier im Gedankenfutter um das Loslassen von Gewohnheiten. Um einen spielerischen Selbstversuch, eine tiefsitzende Gewohnheit loszulassen. Mein persönliches Experiment in Nicht-Anhaftung oder in Fachyoginesisch: Prayoga (“ein Experiment”) in Anubhava (“eine direkte Erfahrung zu erlangen”) zu Vairagya (“Nicht-Anhaftung”) durch Svatantra (“Selbstständigkeit, eigenes System, Unabhängigkeit”).

Also ein Experiment, um eine direkte Erfahrung von Nicht-Anhaftung zu erreichen, indem ich selbstständig mein eigenes System und meine eigene Herangehensweise wähle. Das Experimentiersystem ist also meine persönliche Beziehung zur Schokolade und die Herangehensweise ist, für einen bestimmten Zeitraum auf Schokolade zu verzichten und zwar zu einem selbst gewählten Zeitpunkt und nicht im Rahmen von gesellschaftlichen oder spirituellen Konventionen. Also keine “Sieben Wochen ohne”, als äußerlich vorgegebene Fastenzeit. Ein solches selbst-verantwortliches Experiment braucht jede Menge Sankalpa Shakti – also die kombinierte Energie von gutem Vorsatz und Umsetzung. Darüber haben wir in den letzten Wochen im Gedankenfutter sinniert.

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Von Michael Nickel

Was assoziierst Du mit Winter? – Wenn wir diese Frage stellen, bekommen wir oft ganz gegensätzliche Reaktionen. Bei den einen glitzern die Augen, angesichts der Vorstellung, sich die Skier unter die Füße zu schnallen und die Piste hinab zu wedeln. Bei den anderen verzieht sich das Gesicht zu einer säuerlichen Miene, angesichts langer, dunkler Nächte und feucht-kaltem Schmuddelwetter. Doch ganz egal, welche Beziehung Du zum Winter hast, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dieser Winter “anders als sonst” sein wird und dass wir ihn alle als herausfordernd wahrnehmen werden, angesichts von Corona-Pandemie und persönlichen Einschränkungen durch Lockdown und Co, bis hin zum Verzicht des geliebten Ski-Urlaubs oder eines winterlichen Wellness-Retreats.

Doch nicht verzagen! Auch wenn Du Dir dessen vielleicht nicht so wirklich bewusst bist: Uns wurde etwas Großartiges geschenkt, bei unserer Geburt, das immerzu bei uns bleibt und allzeit das tut, was wir verlangen. Ein wunderbares Geschenk, das sich, solange wir leben, nicht aufbraucht und uns als treuster Freund begleitet. Ein Geschenk, das uns jederzeit aufmuntern kann und ein Freund, der uns in diesem Pandemie-Winter der Einschränkungen nie verlässt und auf seine Weise uneingeschränkt zur Seite steht: unser Atem!

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Von Isabelle Butschek

Das mit Yoga und mir ist so etwas wie eine On-Off-Beziehung. Wir haben uns nach der Geburt meines ersten Kindes kennen- und schätzen gelernt. Mein vom Tragen geplagter Rücken verliebte sich gleich in die Bewegungsformen, der gestresste Geist in die End-Entspannung. Wir haben es auch über die erste Schwärmerei hinausgeschafft, doch irgendwann zog der Alltag ein, die Uhrzeit des Kurses passte nicht mehr richtig ins Leben. Aus regelmäßiger Übung wurden sporadische.

Der Kontakt blieb aber immer bestehen – zumal ich gleich mehrere gute Freunde habe, die in einer festen Beziehung mit Yoga leben, die eine Ausbildung zum Lehrer gemacht oder gar ein eigenes Studio übernommen haben. Zum Beispiel meine alte Schulfreundin Nadine, die jedoch in Düsseldorf lebt und von daher als meine eigene Yogalehrerin nicht in Frage kam. Zumindest bisher.

Wie viele andere hat Nadine im Frühjahr-Lockdown auf Onlineunterricht umgestellt. Zudem bot sie sonntags per Zoom eine Stunde für Freunde und Familie an. Das habe ich als großes Geschenk empfunden. Zum einen, weil es im Lockdown eine mehr als willkommene Abwechslung war. Es war eine der wenigen Gelegenheiten, sich zwischen Homeschooling, Kinderbetreuung und Arbeit für eine Stunde aus dem anstrengenden Familienalltag auszuklinken. Oft habe ich im Kinderzimmer Yoga gemacht, während im Wohnzimmer die Horde tobte. Entspannend war es trotzdem. Und es hat gut getan, für sich, aber trotzdem mit anderen zusammen Yoga zu praktizieren. Da ist mitten im Abstand-halten eine neue Gemeinschaft entstanden. Zum anderen aber hat sich wiederum mein Rücken, haben sich Nacken und Schulter für die Übungen bedankt. Das Sportprogramm war zurückgefahren, das Arbeiten am heimischen Esstisch nicht gerade ergonomisch korrekt. Da war das Durchbewegen aller Muskeln, das Dehnen und Kräftigen wichtiger als je zuvor.

Yoga und ich, wir erleben dank Nadine gerade unseren zweiten Frühling. Ich habe in den vergangenen Monaten öfter praktiziert als in den zwei Jahren zuvor. Der Kalender ist leer, weil vieles anderes nicht stattfindet, es gib kein Termingehetze. Dafür Zeit für Yoga. Vor kurzem waren Nacken und Schulter wieder extrem verspannt. Aber mit täglichen Übungen habe ich das relativ schnell in den Griff bekommen. Mal sehen, ob es dieses Mal etwas Ernsteres wird. Ich bin Nadine für’s Wieder-Verkuppeln auf jeden Fall mehr als dankbar!

Zu den Personen: Isabelle Butschek ist Redakteurin der Stuttgarter Zeitung. Auf Facebook findest Du sie hier. Nadine Arbeiter ist Yogalehrerin in Düsseldorf und bietet verschiedene Yogastunden online an. Auf Instagram findest Du sie hier.

Von Swami Rama

Wir alle wollen den Sinn des Lebens verstehen. Essen, Schlafen und andere natürliche Funktionen zu erfüllen, ohne den Sinn des Lebens zu verstehen, macht aus dem Menschen ein Tier. Um ein Mensch zu sein, muss man den Sinn des Lebens kennen. Dieses Ziel ist die Befreiung, und die Befreiung kann durch ungebundene Handlungen erreicht werden. Weiterlesen